Klaus Rainer Röhl : Zampano und Agitator

Doch, er hat seine Duftmarke in die Geschichte der Bundesrepublik gesetzt: Klaus Rainer Röhl – der "konkret"-Macher wird 80 Jahre alt.

Hermann Rudolph
Röhl
Klaus Rainer Röhl -Foto: dpa

Mit seinem Magazin „konkret“ hat Klaus Rainer Röhl in den fünfziger und sechziger Jahren Furore gemacht. Die neue Mischung aus Politik, Sex und Provokation forderte den Status quo der Nachkriegswelt heraus und trug kräftig zu dem Protestgeist bei, der in Außerparlamentarischer Opposition und Studentenbewegung explodierte. Röhl passte als Person vorzüglich dazu: ein Zampano und Windhund, einfallsreicher Blattmacher und fulminanter Agitator. Auch wenn es seinen Ruhm etwas trübt, dass „konkret“ bis Mitte der sechziger Jahre von Ost-Berlin finanziert wurde, und Röhl danach noch zehn Jahre brauchte, um diese Quelle seiner Kreuzzüge gegen die Verhältnisse zu offenbaren.

Im Wandel der sechziger Jahre war er dann eine bekannte Gestalt der politischen Szene, der seine Spur durch die Hamburger Gesellschaft zog, etwas Tucholsky, viel Macky Messer, der in Kauf genommene „unvermeidliche Kotzbrocken“ – so sein alter Freund Peter Rühmkorf, zu Ulrike Meinhof, die er 1961 geheiratet hatte. In seinem Erinnerungsbuch „Fünf Finger sind keine Faust“ hat er seinen Anteil an der deutschen Kulturrevolution beschrieben. Nur war diese, als das Buch 1974 erschien, schon entgleist – Ulrike Meinhof in den Untergrund gegangen, die Zeitschrift ihm entwunden.

Seitdem arbeitet Röhl diese Erfahrung ab, so Anti-Links geworden, dass er, in konvertitenhaftem Eifer, rechts außen herausgekommen ist. Bei Wikipedia kann man lesen, er schreibe heute für die „Preußische Allgemeine Zeitung“ (ehemals „Ostpreußenblatt“) und publiziere, um über die „zum Teil verheerenden Folgen der kommunistischen und linksutopischen Aktivitäten, an denen ich als Herausgeber und Kommentator beteiligt war“, aufzuklären. An diesem Montag wird er 80 Jahre alt. Hermann Rudolph

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