Medien : Klein, leicht und für die Handtasche

Ultrakompakt-PCs namens Origami, stromsparende Doppelkern-Prozessoren und Windows Vista

Kurt Sagatz

Die Cebit 2006 ist endlich wieder einmal eine Messe von Neuheiten, die man zuvor noch nicht gesehen hat. Vor allem Microsoft nutzt die Computer- und Kommunikationstechnik-Veranstaltung in Hannover, um einige sorgsam gehütete Geheimnisse zu lüften. Seit Wochen schon wird spekuliert, was hinter dem so genannten Origami-Projekt steht. Am Donnerstag nun hat Microsoft die neuen Ultrakompakt-PCs erstmals gezeigt. Aber auch das kommende Windows Vista ist in Hannover in einer Version zu sehen, die dem Endprodukt sehr nahe kommt.

DAS ORIGAMI-PROJEKT

Die neuen Taschenbuch-PCs stellte Microsoft am Donnerstag zusammen mit Intel vor. Der mobile Kleinstcomputer für überall trägt den Namen Origami – die japanische Bezeichnung für die Kunst des Papierfaltens. Er ist für Menschen gedacht, die zu keiner Zeit auf ihren Computer verzichten wollen. Der mit einem Touchscreen ausgerüstete Ultra-Mobile-PC liegt von der Größe her zwischen einem Smartphone und einem Notebook und läuft mit der Tablet-PC-Edition von Windows XP, also mit einem vollwertigen Betriebssystem. Die Origami-Computer sollen unter 1000 Euro kosten. Bei Bedarf kann eine Tastatur über Bluetooth oder USB an das 900-Gramm-Gerät angeschlossen werden, per Wireless LAN geht’s ins Internet. Die Origami-PCs sind sowohl zum Abspielen von Musik als auch von Videos gedacht und eignen sich zum Bearbeiten von Texten und Fotos. Produziert wird der neue Gerätetyp allerdings nicht von Microsoft selbst, die Herstellung liegt – wie bei den ebenfalls von Microsoft erdachten Tablet PCs – bei Hardware-Firmen wie Samsung und Asus.

WINDOWS-XP-NACHFOLGER VISTA

Der Nachfolger von Windows XP, dem weltweit am stärksten verbreiteten Betriebssystem für Schreibtischcomputer und Laptops, gehört zu den Software-Produkten, die in Hannover mit besonderer Spannung erwartet werden. Inzwischen ist die Entwicklungsarbeit an Windows Vista so weit vorangeschritten, dass Microsoft das neue Betriebssystem den späteren Käufern beruhigt präsentieren kann. Die lange Zeitspanne von der Veröffentlichtung von Windows XP im Jahr 2001 und Vista, das im zweiten Halbjahr auf den Markt kommen soll, wurde genutzt, um die Sicherheit des neuen Betriebssystemes zu verbessern. Aber auch optisch wurde Windows Vista aufgemöbelt, durch dreidimensionale Fenster und eine neue Infoleiste direkt auf dem Desktop. Allein für die privaten Nutzer hat Microsoft drei verschiedene Varianten angekündigt, für Firmenkunden soll Vista in vier weiteren Versionen angeboten werden. Auch von der weit verbreiteten Bürosoftware Office wird es in diesem Jahr einen Nachfolger geben, der ebenfalls auf der Cebit vorgestellt wird. Neu daran ist vor allem die Oberfläche. Auf die bekannten Menüs und Symbolleisten soll so gut wie komplett verzichtet werden. An ihre Stelle tritt ein verschiebbares Funktionsband, das die jeweils benötigten Programmfeatures zur Verfügung stellt.

IM JAHR DER MEHRKERN-PROZESSOREN

Durch die Steigerung der Taktraten war es zuletzt kaum noch möglich, die Leistung von Computern zu erhöhen. Einerseits wuchs damit der Stromverbrauch, andererseits ließ sich die Abwärme nicht mehr in den Griff bekommen. Den Ausweg aus dem Dilemma suchen die Chiphersteller in Prozessoren mit mehreren Kernen. Der Vorteil: Die Arbeitslast wird auf mehrere Schultern verteilt, so dass jeder einzelne Kern weniger leisten muss, aber dennoch die Gesamtleistung steigt. Nachdem Intel im letzten Jahr den ersten Doppelkernprozessor für stationäre PCs vorgestellt hat, folgen in diesem Jahr Core-Duo-Chips für Mobilrechner – und zwar nicht nur für Windows, sondern mit dem MacBook Pro auch für Apple-Geräte. Auch in die Wohnzimmer sollen stromsparende und leisere Doppelkern-Computer gelangen. Bei Intel laufen diese Geräte unter dem Markennamen Viiv. Beim Konkurrenten AMD wird die neue Prozessortechnik unter dem Namen Live! angepriesen.

NOTEBOOKS MIT LANGER LAUFZEIT

Trotz höherer Leistungsfähigkeit, die auch in Notebooks verstärkt von Doppelkernprozessoren stammen, haben die Hersteller von Mobilcomputern vor allem an der Laufzeit gearbeitet. Das neue Lifebook von Fujitsu-Siemens (E8110, 15-Zoll-Display, 3000 Euro) arbeitet bis zu zwölf Stunden ohne Anschluss ans Stromnetz, wenn der DVD-Brenner durch den Zweitakku ausgetauscht wird. Der 14-Zoll-Samsung X11 (1600 Euro) hält es mit einer Akkureichweite von zehn Stunden ebenfalls sehr lange ohne Ladegerät aus. Auch in der Ultraportabel-Klasse der 11- bis 12-Zoll-Geräte ist die Unabhängigkeit von der Steckdose von entscheidender Bedeutung, so wie beim Samsung Q30 Plus (neun Stunden mit Zweitakku, 2500 Euro) oder Sonys Vaio VGN-TX2XP (über sieben Stunden, 2500 Euro). Neben den Stromsparfunktionen spielt die Funkvernetzung via Wireless LAN und Bluetooth nach dem Standard 2.0 weiterhin eine zentrale Rolle. Neue Technik trifft dabei zugleich auf neue Vermarktungswege: Fujitsu-Siemens hat in Kooperation mit T-Mobile einen Laptop für einen Euro auf die Beine gestellt. Dafür bekommt der Kunde das Notebook Amilo Pro V2035 Note mit vorinstallierter Kommunikationssoftware und einem Datenpauschaltarif von T-Mobile. Das Paket kostet 69 pro Monat plus einen Euro pro Tag und hat eine Laufzeit von 24 Monaten. Das Einsteiger-Notebook ist mit einem Celeron-Prozessor mit 1,6 GHz und 15,4-Zoll-Monitor ausgestattet. Der Datentarif von T-Mobile enthält ein Volumen von fünf Gigabyte im Monat plus 200 Stunden WLAN-Nutzung an Hotspots von T-Mobile oder T-Com.

FUNKEN AUF ALLEN WELLEN

Um drahtlose Kommunikation geht es nicht nur zwischen Computern, auch das Telefon wird zunehmend in die Funknetze integriert. In diesem Zusammenhang haben Telefonhersteller Siemens und der Internet-Diensteanbieter Yahoo eine Kooperation angekündigt. Telefone aus der Gigaset-Reihe von Siemens sollen künftig über den USB-Adapter Gigaset M34 mit dem PC verbunden werden, um mittels Yahoo-Messenger preiswerte Internet-Telefonate führen zu können. Einen anderen Weg geht Arcor. Das Unternehmen will seinen Kunden vom Sommer an ein „Dual Phone“ anbieten, das wahlweise über das Handy-GSM-Netz oder über Wireless LAN mit Internet-Telefonie arbeitet. Ebenfalls im Sommer soll das vergleichbare T-Com-Angebot starten, das daheim auf Voice over IP via Wireless LAN und unterwegs auf das GSM-Netz setzt. In beiden Fällen profitiert der Kunde davon, immer unter seiner Festnetznummer erreichbar zu sein.

ZUBEHÖR: STIFT STATT COMPUTER

Dass es durchaus Situationen gibt, in denen man nicht mit dem Computer, sondern mit dem Stift schreiben will, meint die Firma Logitech. Sie stellt auf der Cebit die Weiterentwicklung des IO2 Digital Pen vor. Was mit diesem Spezialstift auf einem speziellen Papier geschrieben wird, lässt sich später per Knopfdruck in den PC zur Weiterverarbeitung mit einer Textverarbeitung oder zum Versenden als E-Mail transportieren. Den IO2-Pen soll es ab Mai für 150 Euro geben. Aus dem weiten Feld des PC-Zubehörs fallen zudem die neuen Mini-Festplatten zum Mitnehmen auf, die Freecom präsentiert. Die 1-Zoll-Speicher aus der Tough-Drive-Serie (150 Euro) fassen bis zu sechs Gigabyte Daten und halten einen Fall aus zwei Metern Höhe aus.

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