Medien : Kleine Ausschnitte, große Historie und Gunter Schoß

Iris Ockenfels

Natalia Wörner ist nicht unbedingt scharf darauf, sich für die Kamera auszuziehen. Sie mache das gar nicht gern, sagt sie. Für die Rolle der Hure Martina im ZDF-Film "Verbotene Küsse", heute 20 Uhr 15, war sie viel freizügiger, als ursprünglich geplant. Gleich zu Beginn des Films hat sie ihre erste Nacktszene und meint dazu: "Klar, ich hätte auch weniger zeigen können. Aber ich habe beim Dreh gemerkt, dass das nicht funktioniert. Es geht darum, diese Hure in ihrem Alltag darzustellen und nicht um ein paar Zentimeter Haut." Und tatsächlich gelingt es Natalia Wörner, auf eine sehr beiläufige, selbstverständliche Art nackt zu sein. Das liegt wohl auch daran, dass Regisseur Johannes Fabrick ("Jenny Berlin") ihr für diese Szenen völlige Freiheit gab. Der Wiener schrieb das Drehbuch zu "Verbotene Küsse" nach einer Idee von Frank Göhre ("St. Pauli Nacht"). Fabrick nennt Göhres Vorlage "eine Bestandsaufnahme von Einzelschicksalen". Und hier liegt auch das Problem des Films. Am Anfang ist die Geschichte zwar noch recht übersichtlich. Da ist die Prostituierte Martina. Sie betreibt mit ihrer besten Freundin in der Lüneburger Heide ein kleines Bordell. Doch dann wird Martinas Freundin ermordet und es ist aus mit dem geruhsamen Landleben. Martina bastelt sich mit Hilfe ihres Stammkunden, des vereinsamten Kommissars Rieser (Ralph Herforth), eine neue Identität als Polizistin bei der "Sitte". Auf Hamburgs roter Meile sucht sie den Mörder ihrer Freundin. Ihr Hauptverdächtiger: Der zwielichtige Leiter der Ausländerbehörde Garwitz (Vadim Glowna), ihr Ex-Freier. Nun wird die Geschichte jedoch wirr. Denn der ehemalige Dokumentarfilmer Fabrick konzentriert sich nicht allein auf die seelischen Abgründe der drei Hauptcharaktere, sondern erforscht auch etwas langatmig die Nebenfiguren und Seitenwege der Geschichte: Mädchenhandel, sexueller Missbrauch, Korruption - ein bisschen viel für einen einzelnen Krimi.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben