Kleiner Mann ganz gross : "Stromberg"-Autor mit neuer Serie

In der neuen Pro7-Comedy-Serie bleibt sich der preisgekrönte Autor Ralf Husmann treu. Auch mit dem Hauptdarsteller Bjarne Mädel - ein Mann wie ein Opel Corsa.

Johannes Gernert
"Der kleine Mann"
Opel Corsa. Rüdiger Bunz (Bjarne I. Mädel) muss sich entscheiden.Foto: Pro7

Er trinkt ja nur Schnaps im Fernsehen. Mehr ist es eigentlich gar nicht. Er habe ja nie cool sein wollen, sagt er. Das Leben des Rüdiger Bunz beginnt sich trotzdem zu verändern. Die Kunden des Elektrofachgeschäfts, in dem er arbeitet, erkennen ihn wieder. Sein karrieregeiler Kollege mit den schnieken Hawai-Hemden bietet sich ständig als Manager an und will 20 Prozent haben. Und Bunz wird überall fotografiert. Nur weil er in diesen Fernsehspots Werbung für einen Schnaps namens „kleiner Mann“ macht – als echter kleiner Mann, als Superstinknormalo.
 
Bjarne Mädel spielt diesen Rüdiger Bunz in der neuen Pro-7-Serie des „Stromberg“-Autors Ralf Husmann. Er ist die perfekte Besetzung. „Ein Mann wie ein Opel Corsa, wie Braten mit Soße, der absolute Durchschnittstyp“, so beschreibt ihn die Werberin, die den Elektrofachverkäufer Bunz auf der Straße entdeckt, als er gegen ihre geöffnete Autotüre rennt. Leicht verschusselte Unscheinbarkeit, das kann Mädel perfekt. Er hat das in der Büro-Satire „Stromberg“ gezeigt, als er den grauen Versicherungsangestellten Ernie gab, das Mobbing-Opfer mit der Handytasche am Gürtel und den Schweißrändern unterm Arm.
Rüdiger Bunz ist kein Ernie. Bei ihm lässt Husmann, der auch die Dialoge für die Serie „Dr. Psycho“ mit Christian Ulmen geschrieben hat, deutlich mehr Identifikation zu. Bunz ist in seiner bodenständig-reflektierenden Gewöhnlichkeit nicht unsympathisch. Man gerät an seiner Seite gerne in die seltsame Welt der Werbung und des Medienglamours hinein. Etwas verwundert reagiert er auf die Werberfloskeln der Agenturfrau: „Du bist ein Würstchen – und das meine ich positiv.“

Husmann spielt mit demselben schrägen Witz wie in „Stromberg“ oder „Dr. Psycho“. Wenn Bunz etwa von seiner Frau erzählt: „Unsere Beziehung hält damit schon länger als das Dritte Reich und ist meistens auch lustiger.“ Wirklich politisch unkorrekt im „Stromberg“-Stil wird es in den ersten beiden Folgen nicht. Husmann hat verkündet, dass er nichts dagegen hätte, wenn ein paar mehr Leute seine Serie ansehen. Er ist eigentlich der Mann für die Serien, die von den Kritikern gelobt und von einer Fangemeinde geliebt werden – von einer eher kleineren Fangemeinde, quotenmäßig hat sich der Erfolg bisher in Grenzen gehalten.

„Der kleine Mann“ hätte es verdient, dass sich das ändert. Auf seiner Odyssee durch die deutsche Medienlandschaft trifft Rüdiger Bunz nicht nur auf einen koksenden Starkoch („Du hast da noch Mehl an der Nase.“) und seine Freundin Sarah Wiener, die aggressiv-selbstironisch die Öko-Emanze gibt, sondern auch auf den ARD-Moderator Frank Plasberg und die Viva-Quasslerin Gülcan Kamps. Während er seinen wachsenden Ruhm anfangs noch skeptisch betrachtet („Muss ja nicht jeder im Fernsehen sein, muss ja auch jemand davor sitzen.“), versucht er später schon mal an einen Platz im vollen Promi-Restaurant zu kommen, indem er aus seinem Schnaps-Spot zitiert und ihn verzweifelt vorspielt. Klappt aber nicht, so sehr er es auch versucht. Solche Momente zum Fremdschämen dosiert Husmann diesmal sparsam. Ernie hätte sich gründlicher blamiert.

Was die Macher aus „Stromberg“ übernommen haben, ist dieses kurze Schweigen nach einem verqueren Gedanken oder nach so einer seltsamen Situation. Für einen Moment ist es still – und Bunz schaut einfach nur, wie ein Opel Corsa, oder ein Würstchen. Mädel hat da unglaubliche Blicke drauf. So hilflos normal kann das sonst kaum einer. Johannes Gernert

„Der kleine Mann“, Dienstag, Pro7, 22 Uhr 40



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