Medien : Kleingarten-WM

Reinhard Siemes

Franz Beckenbauer war ein begnadeter Fußballer, ist ein ausgemachtes Schlitzohr und kann auch ganz leidlich mit dem Golfstöckchen umgehen. Nur reden sollte er nicht. Dann bricht die Herkunft aus Obergiesing durch (das Wedding von München). Entsetzlicher noch als seine Sprache ist sein Gefühl für Design. Ein Blick auf die Website des Organisationskommitees der FIFA macht deutlich, warum. Hier zeigt er stolz das Logo der WM 2006, ein Werk, das allen nur denkbaren Regeln der Wahrnehmung und des guten Geschmacks widerspricht.

Normalerweise besteht ein Sport-Logo aus einer Bildmarke und der jeweiligen Jahreszahl. Beckenbauers Homunkulus setzt sich aus acht Bild- und Textelementen zusammen, was bereits auf einer Anzeige ein Unding ist. Natürlich hat Franz das Signet nicht selbst gestrichelt. (Dann wäre es noch entsetzlicher ausgefallen.) Aber er brachte seine Münchner Spezi-Agentur Adold ins Gespräch, die bereits durch etliche Beton-Logos für Sportveranstaltungen und Verbände aufgefallen ist. Der Einfachheit halber bekam sie vom Organisationsbüro der WM 2006 via Franzl gleich einen Beratervertag bis 2006. Man kennt sich halt.

Als ich das Logo zum ersten Mal sah, dachte ich nacheinander an einen Verein für Kleingärtner, einen Kindergarten, an den Fußballverein FC Rasentod und an den Chor des Altenheimes „Letzte Stimme“. Angeblich ist die grafische Missgeburt in Cooperation mit der Londoner Werbeagentur Whitestone entstanden. Aber ich kenne die Londoner Werbeszene gut genug, um zu wissen, dass den Whitesone-Leuten Haare zu Berge stehen. Sie sind ohnehin vom Franzl als Alibi-Truppe angeheuert worden, damit die FIFA den Schwarzen Peter für das alberne Mau-Mau- Signet im Zweifelsfall anderen anlasten kann. Die schönste Alternative können Sie in Spiegel-Online bewundern. Ein Leser hat die lächerlichen Köpfe durch Teletubbies ersetzt. Passen wie die löcherige Schale auf Franzles Hirn.

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