KLICKS UND KOHLE : Google-Streit: Verlage schalten Kartellamt ein

Nachrichtenportale legen 2009 kräftig zu.

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Bad News are good News, diese Regel galt auch für das Krisenjahr 2009, wobei Online-Nachrichtenportale besonders profitierten. Die Zahl der Besucher auf den Top-20-Nachrichtenseiten im Internet stieg um fast ein Drittel (plus 33,7 Prozent) auf über 6,5 Milliarden. „2009 gab es den höchsten Besucherzuwachs auf Online-Nachrichtenseiten seit Beginn unserer Analysen im Jahr 2005“, sagte Achim Berg, Vizepräsident des Bitkom-Verbandes, am Montag. „Für Verlage kann sich die verstärkte Investition in die Online-Ausgaben ihrer Publikationen lohnen“, sagte Berg, der zugleich Microsoft Deutschland leitet.

Bislang verdient jedoch kaum ein Verlag im Internet, im Gegensatz vor allem zum Suchmaschinenkonzern Google. Der Streit zwischen den Zeitungs- und Zeitschriftenverlegern und Google spitzt sich gerade zu. Google verdiene Milliarden damit, Werbung im Umfeld der Suchtreffer zu Medienartikeln zu platzieren, ohne die Verlage fair zu beteiligen, lautet ein Vorwurf, der nun dazu geführt hat, dass das Bundeskartellamt mit der Bitte um Klärung eingeschaltet wurde. Allein in Deutschland verdiene Google damit 1,2 Milliarden Euro jährlich, so die Bundesverbände der deutschen Zeitungs- und Zeitschriftenverlage BDZV und VDZ. Eine Verlautbarung des Kartellamtes wird für Mittwoch erwartet.

Das US-Unternehmen wies die Kritik zurück. Google habe 2009 weltweit 4,2 Milliarden Euro an „Publisher“ gezahlt, erklärte das Unternehmen, ohne die Angaben zu präzisieren. Den Verlagen geht es jedoch auch darum, ob Google neutral operiert, sagte Peter Klotzki vom Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) dem Tagesspiegel. Dahinter steht die Sorge, Google könne Vertragspartner oder eigene Angebote in den Suchfunktionen bevorzugt behandeln. Gleichwohl bleiben die Fragen zur gewünschten Ertragsbeteiligung. Von den Google-Milliarden ist demnach in Deutschland gerade einmal ein zweistelliger Millionenbetrag angekommen.

Die Zeitungsverleger legen Wert auf die Feststellung, dass man keineswegs das Tischtuch zu Google zerschneiden wolle. „Uns ist bewusst, dass wir Google brauchen und dass es gute Geschäftsbeziehungen gibt. Aber gerade unter Geschäftspartnern muss es möglich sein, auch Probleme aufs Tapet zu bringen“, sagte Hans-Joachim Fuhrmann vom BDZV dem Tagesspiegel. Und dazu gehöre auch, dass die Verlage an den Erlösen für die Kurzanzeigen der Suchtreffer, die so genannten „Snippets“, fair beteiligt werden,

Das erfolgreichste Nachrichtenportal Deutschlands ist dem Bitkom-Ranking zufolge nach wie vor Spiegel Online. 2009 verzeichnete der Marktführer rund 1,3 Milliarden Visits – ein Plus von 21,8 Prozent. Dicht dahinter folgt Bild.de mit fast 1,2 Milliarden Visits. Kurt Sagatz

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