Medien : Köhler rügt Schleichwerbung in Printmedien

Marc Felix Serrao

Es war ein schöner Kontrast zur Kulisse. Die großen und sehr großen Akteure der Medienrepublik hatten sich gestern im elegant funkelnden Atrium des Berliner Museums für Kommunikation versammelt, um mit warmen Worten und kaltem Sekt „50 Jahre Deutscher Presserat“ zu feiern. Allein, der Ehrengast dieser 1956 ins Leben gerufenen Institution zur freiwilligen Selbstkontrolle war nicht in Feierlaune. Freundlich, aber streng prangerte Bundespräsident Horst Köhler die zunehmende Schleichwerbung an. Diese lege „die Axt an die Glaubwürdigkeit der Presse“. Immer mehr Verlage knickten vor Anzeigenkunden ein, die freundliche Berichte zur Bedingung für Werbeaufträge machen. Ein Negativtrend, der sich auch am einzigen Sanktionsmittel des Rates, den öffentlichen Rügen, ablesen lässt: Elf davon gibt es in diesem Jahr bisher, acht davon wegen Schleichwerbung. Natürlich sei es legitim, mit Zeitungen Geld verdienen zu wollen, sagte Köhler. Er halte es aber auch mit Karl Marx: „Journalismus ist kein Gewerbe.“ Abschließend lobte Köhler, dass der Presserat im überarbeiteten, ab 2007 gültigen Kodex den Grundsatz zur Trennung von Werbung und Nachrichten schärfer formuliert habe als bisher.

Bei der Podiumsdiskussion lobten alle Teilnehmer den Presserat als Institution. Doch auch hier wurde Kritik laut. Bascha Mika, „taz“-Chefredakteurin, fragte Fried von Bismarck, „Spiegel“-Verlagsleiter und Presserats-Sprecher, warum er Missstände nicht lauter und öfter publik mache. Auch Giovanni di Lorenzo, „Zeit“-Chefredakteur und Tagesspiegel-Mitherausgeber, forderte „nicht weniger, sondern mehr Kontrolle“. Bismarck entgegnete, der Presserat sei nicht die einzige Instanz, die Mängel ahnden könne: „Sie sind die Chefredakteure, sie können doch schreiben, was sie wollen.“ Bodo Hombach, Geschäftsführer der „WAZ“-Mediengruppe, forderte den Presserat indes auf, sich der Zukunft, sprich dem Internet, zuzuwenden: „Die Blogger diskutieren längst über Umgangsformen fürs Web. Kontrollieren können wir da nichts, aber wenigstens mitdiskutieren.“

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