Kölner "Tatort" : Altes Ehepaar

Max Ballauf und Freddy Schenk ermitteln zum 50. Mal als Kommissare im Kölner „Tatort“. Mit dabei ist auch Ex-"Polizeiruf"-Kommissar Edgar Selge. Allerdings nicht als Ermittler.

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Abends Currywurst: Schenk (Dietmar Bär) und Ballauf (Klaus J. Behrendt, r.).Foto: WDR
Abends Currywurst: Schenk (Dietmar Bär) und Ballauf (Klaus J. Behrendt, r.).Foto: WDRFoto: WDR/Willi Weber

In Köln gibt es eine große Kirche direkt am Fluss. Und gegenüber steht eine Würstchenbude. Jedenfalls im „Tatort“. Die ARD-Krimireihe ist im Grunde Heimatkunde, und dazu gehört das wohlige Gefühl, dass sich noch alles am rechten Platz befindet. Auch die Herren Ballauf und Schenk, die am Ende ihres 50. gemeinsamen Falls – Ballauf ermittelte zuvor bereits in Düsseldorf – an der Bude am Rheinufer wieder ihr Abschlusskölsch schlürfen. Der Mord an einer Hauseigentümerin ist aufgeklärt, die Missstände im „Veedel“ (kölnisch für Viertel) und die eigenen privaten Sorgen werden von den Kommissaren heruntergespült.

Die einzige Überraschung an diesem Finale im Kölner Jubiläumsfilm „Altes Eisen“: Die Würstchenbude hat zu, die Rolläden sind heruntergelassen. Ein metaphorischer Hinweis auf den Zustand des Ermittlerduos, gespielt von Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär? Keineswegs. Beide Schauspieler haben Lust auf den „Tatort“ und sorgen für, wie man so sagt, Mörderquoten. Ihre Figuren zählen in Umfragen zu den beliebtesten Ermittlern. „Ich freue mich auf die nächsten 50 Folgen“, sagt WDR-Fernsehfilm-Chef Gebhard Henke. Man möchte sich mitfreuen, vor allem, wenn der WDR ein bisschen mehr Mut zu unkonventionellen, überraschenden Filmen aufbrächte. Vielleicht hat man es sich zu nett eingerichtet mit den sympathischen Jungs, die seit 14 Jahren ein Team bilden.

Ballauf und Schenk sind zwei echte Wohlfühltypen. Man leidet mit Ballauf, der so wenig Glück bei Frauen hat, und schmunzelt über Schenk, der so vernarrt in Amischlitten ist. Beide sind unzertrennlich, „wie ein altes Ehepaar“, wie Schenk beim Abschlusskölsch sagt. Kein Ermittlerduo im „Tatort“ steht sich derart nahe wie das Kölner Männerduett. Keines dekliniert die sozialen Probleme dieser Republik derart ausdauernd durch, von A wie Arbeitslosigkeit bis Z wie Zwei-Klassen-Medizin. Dabei sind sie bisweilen stur und vorurteilsbeladen, zugleich aber mitfühlend und aufgeschlossen. Sie sympathisieren mit den „kleinen Leuten“, sind grundsolide Polizisten, zwei ehrliche „Kumpel“, wie man in Westfalen sagen würde, woher die Schauspieler Behrendt und Bär ja kommen. Die Differenz zwischen Darstellung und Realität scheint bei beiden tatsächlich gering zu sein.

Mit ihrer Art der ehrlich wirkenden Auseinandersetzung und der Lösung des Falls „entlasten“ sie das Publikum zugleich von der Düsternis der so zahlreich präsentierten sozialkritischen Themen. Während Schimanski in den achtziger Jahren fluchend eine Schneise durch die Krisenherde schlug, arbeiten sich Ballauf/Schenk grundanständig vor. Ihre Reibereien sind Stellvertreterdialoge, in denen das Für und Wider zum aktuellen Konflikt vorgetragen wird. Am Ende steht nicht die Lösung aller gesellschaftlichen Probleme, aber meist doch ein befriedigendes Wohlgefühl, Würstchenbude inklusive.

Im Jubiläumsfall darf Schenk eines der schönsten Autos in seiner Laufbahn fahren, einen Cadillac Eldorado mit Heckflossen. Außerdem taucht wieder die Polizeipsychologin Lydia Rosenberg (Juliane Köhler) auf, mit der Ballauf schon vor zwei Jahren in „Mit ruhiger Hand“ heftig flirtete. Aber der schönste Auftritt gehört diesmal einem Gast: Edgar Selge stöckelt würdevoll als alternder Transsexueller durch den Film, nur am Ende drückt Regisseur Mark Schlichter etwas zu sehr auf die Tränendrüse. Bis dahin haben der krimierfahrene Schlichter und Autor Mario Giordano („Das Experiment“) die kölsche „Veedel“-Romantik durch eine Geschichte um Gier und Eifersucht durchaus wirkungsvoll entzaubert.

Auch mit der in Köln viel beschworenen Toleranz ist es nämlich nicht so weit her. Thomas Gehringer

„Tatort: Altes Eisen“, ARD, 20 Uhr 15

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