König Fußball : Quote mit Kamerun

ARD und ZDF stürzen sich mit Confed Cup und U21-EM auch im Juni auf Fußballevents. Das wichtigste aber fehlt bald.

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Unsere Frau in Moskau. Reporterin Claudia Neumann berichtet fürs ZDF live vom Confed Cup. Champions-League-Spiele hingegen wandern wohl ins Pay-TV.
Unsere Frau in Moskau. Reporterin Claudia Neumann berichtet fürs ZDF live vom Confed Cup. Champions-League-Spiele hingegen wandern...Foto: ZDF und Peter Kneffel

Es ist eine schwierige Situation für das ZDF: Auf der einen Seite werden Fußball-Länderspiele wie das der deutschen B-Mannschaft am Dienstagabend gegen Dänemark oder der demnächst startende Confed Cup beworben, auf der anderen Seite muss man sich in einem schmerzlich langen Prozess von der lukrativen Champions League verabschieden. Dieser Wettbewerb wird ab der Saison 2018/19 wohl nicht mehr im ZDF, sondern nur noch exklusiv im Pay-TV zu sehen sein, auch wenn sich die Uefa als Rechteverteiler noch nicht definitiv entschieden hat.

König Fußball, aber Fußball ist nicht gleich Fußball. Immerhin, die Quoten beim Dänemark-Spiel waren solide. 7,99 Millionen Zuschauer sahen die Übertragung des Testspiels im ZDF, ein Marktanteil von 26,4 Prozent beim Gesamtpublikum. Das ließ aber noch Raum für andere Sender. Wenn die Champions League im Frühjahr mit Spielen von Bayern München oder Borussia Dortmund gegen Real Madrid, Barcelona oder Monaco in die entscheidenden Runden geht, sitzen schon mal neun, zehn, elf Millionen Zuschauer vor dem Bildschirm.

Auf diese Champions-League-Quote wird das ZDF bald verzichten müssen. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Rechte in den Pay-Bereich gehen“, sagte Thomas Bellut vor ein paar Tagen. Der ZDF-Intendant scheint wenig Hoffnung zu haben, die Rechte zu erhalten. „Wir haben das Phänomen, dass internationale Konzerne hier Geschäftsmodelle etablieren wollen und dafür quer subventionieren“, so Bellut, der auf die hohen Reichweiten im Free-TV verwies.

Sky und Dazn sollen das Angebot noch einmal kräftig erhöht haben

Es ist so gut wie sicher: Der Pay-TV-Sender Sky und der Streamingdienst Dazn werden sich die Champions-League-Rechte ab 2018/19 teilen. Bis Ende Juni kann sich die Uefa offenbar mit der offiziellen Verlautbarung Zeit lassen, nachdem die Entscheidung schon für April angekündigt war – immer in der Abwägung zwischen Erlösen aus dem Verkauf der TV-Rechte und ausreichend Sponsoring. Die Variante „Nur noch Pay-TV“ senkt den Sponsoring-Wert der Champions League, vermuten Insider, um etwa 90 Prozent.

Sky und Dazn sollen das Angebot an die Uefa deshalb noch einmal kräftig erhöht haben, die Summe von 600 Millionen Euro steht im Raum. Bisher hatten Sky und ZDF für drei Jahre Champions-League-Rechte etwa 370 Millionen Euro gezahlt. Im Grunde ist die Sache klar: Kein Champions-League-Spiel wird ab der Saison 2018/2019 frei empfangbar gezeigt (abgesehen vom Finale, das im frei geschalteten Kanal Sky Sport News gezeigt werden könnte).

Umso mehr lässt es das ZDF in diesen Tagen bei zwei Fußball-Wettbewerben krachen, von denen zumindest einer einen recht überschaubaren Unterhaltungs- und Spannungswert hat. ZDF und ARD übertragen vom 17. Juni bis 2. Juli alle 16 Spiele vom Confed Cup in Russland, darunter Partien wie Kamerun gegen Chile zur besten Sendezeit.

Fast gleichzeitig findet in Polen die U21-EM statt. Hier ist der Fernsehübertragungsoutput geringer: zwölf Mannschaften, drei Gruppen, Deutschland spielt gegen Italien, Dänemark und Tschechien. ARD/ZDF zeigen die Spiele der DFB-Auswahl sowie ein mögliches Halbfinale und Finale mit deutscher Beteiligung.

Von wegen Sommerpause im Fernsehen – Fußball-Overkill. Zum Dauerärger der Gebührenzahler? Wirtschaftlichkeit solle bei Großereignissen immer wichtiger werden, kündigte ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann an. Das Geld, das das ZDF bei der Champions League einsparen kann (der Sender soll bislang 50 bis 60 Millionen Euro pro Saison gezahlt haben) wird beim Confed Cup zumindest dosiert ausgegeben.

Beide öffentlich-rechtlichen Sender nutzen die Übertragungen aus Russland ein Jahr vor der dortigen Fußball-WM, um einen zentralen Produktionsort in Deutschland zu testen. Stichwort gemeinsame Ressourcen. Nur die Reporter wie Béla Réthy oder Claudia Neumann und Katrin Müller-Hohenstein (direkt am DFB-Quartier) reisen nach Russland, Moderatoren und Experten stehen in einem Studio beim SWR in Baden-Baden.

Und einer hat gleich mal ganz Pause. Oliver Welke, der sich mit seiner „heute-show“ am vergangenen Freitag bis zum 8. September in die wohl längste Sommer-TV-Auszeit aller Zeiten verabschiedet hat, kann sich den zweiwöchigen Confed Cup am Fernseher anschauen. Seinen Moderatorenpart übernimmt Jochen Breyer, an dessen Seite Sebastian Kehl als Experte. Welke darf dann, zusammen mit Oliver Kahn, wieder bei einem echten Fußball-Großereignis ran: der WM 2018.

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