Körperverletzung! : Doof, doofer, Küstenbewohner

„Mord in Aschberg“ missbraucht die Norddeutschen als groteske Gartenzwerge in einem ZDF-Krimi.

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Stehen zwei hinter der Tür, kommt ein Dritter rein... Katja Danowski, Hinnerk Schönemann (Mitte) und Aljoscha Stadelmann stellen einen Uraltwitz nach.
Stehen zwei hinter der Tür, kommt ein Dritter rein... Katja Danowski, Hinnerk Schönemann (Mitte) und Aljoscha Stadelmann stellen...Foto: ZDF

Die Menschen an Deutschlands Küsten sind tiefschwarze Pechvögel. Für den Humor haben sie Ina Müller, fürs Singen Jan Delay, für den Krimi das ZDF. Der Krimi ist das Schlimmste, denn der missbraucht die Heringsfänger ein ums andre Mal. Eigentlich gibt es für die Männer und Frauen von der Küste nur einen Schnittbogen: grotesker Gartenzwerg. „Mord in Aschberg“ bietet das komplette Arsenal. Detektiv Finn Zehender (Hinnerk Schönemann) schlängelt sich durch seinen vierten Fall zwischen Erpressung, Mord und Vergewaltigung, bevölkert mit liebesbedürftigen Polizistinnen und Staatsanwältinnen, Killern, überdrehten Kommissaren, hasenfüßigen Ehetrotteln und dem Expolizisten Mühlfellner, dem in den Kopf geschossen worden ist. Mühlfellner (Thomas Thieme) fragt: „Warum gibt es eigentlich flüssige Seife?“ Finn Zehender sagt: „Heiraten ist wie dauerhaft verstorben.“ Simone Albrecht (Julischka Eichel) fordert: „Der Buss soll weg.“ „Der Zehender muss weg.“ Schnipsel im großen Schwindelspiel, Lacherkracher im Dauerfeuer des Afghanistan-Scharfschützen Thomas Trappe (Florian Lukas), der alles und alle totmachen will.

Holger Karsten Schmidt hat das Drehbuch geschrieben, Markus Imboden inszeniert, Hinnerk Schönemann die Hauptrolle übernommen. Der Film verlangt dem Zuschauer alles ab, zuvorderst die unbedingte Bereitschaft, sich darauf einlassen (hier endlich passt diese abgelutschte Wendung). Wer das tut und alles andere hinter sich lässt, der wird mit 90 plattdeutschen ZDF-Minuten belohnt. Also: Ein verzwirbelter Plot wird mit ausreichend Lakonie, Gefühl für Tempo/Tempowechsel und die Magie der Momente in Szene gesetzt. Was das Ensemble mit Schönemann und Thieme vornedran zeigt, das hat Muckis und den Willen zur Überzeichnung. Sonst noch was? Ach, schauen Sie selbst.
Ich hatte mir fest vorgenommen, „Mord in Aschberg“ von Minute eins bis Minute 90 zu loben und zu preisen. Gerade, weil der Krimi in und mit Norddeutschland spielt. Weil Norddeutschland das irgendwie verdient. Aber, und das wusste der lebenskluge Theodor Fontane längst: „Die Natur ist stärker als alle Vorsätze.“ Joachim Huber
„Mord in Aschberg“, ZDF, Montag um 20 Uhr 15

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