Medien : Kollektive Beweihräucherung

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Herr Wichmann, was hat Sie in der vergangenen Woche in den Medien besonders geärgert?

Pilcher goes Papst. Die Masse der Fernsehverfilmungen des Lebens von Johannes Paul II., die in diesen Tagen ausgestrahlt werden, ist unisono von einer solchen Naivität und Glaubensfolklore, dass ich mich nur noch wundern kann. Warum nur unternimmt kein Regisseur den Versuch, diese historische Figur in seiner ganzen Komplexität zu zeigen? Warum gleicht selbst maßvolle Kritik an der bisweilen weltfernen Amtsführung des verblichenen Papstes heute beinahe einer Gotteslästerung? Es ist ärgerlich, dass sich die Öffentlich-Rechtlichen an dieser kollektiven Beweihräucherung so unreflektiert beteiligen.

Gab es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?

Ja, über die Meldung, dass Gruner + Jahr und der Süddeutsche Verlag ihre Archive zusammenlegen wollen. Damit vereinigen sich die beiden besten Print-Archive in Deutschland. Für alle Redakteure der beteiligten Verlage ist das eine hervorragende Nachricht, da ein gut sortiertes Archiv die wichtigste Voraussetzung einer profunden Recherche ist. Die Meldung stand übrigens in der „FAZ“.

Dominik Wichmann ist Chefredakteur des „SZ-Magazins“.

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