Kolumne : Nix Neues? Dann bleibt’s einfach still!

Zu meinem Ärger: 3sat-Moderator Ingolf Baur und seine Medien-Woche

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Ingolf BaurFoto: ZDF

Herr Baur, worüber haben Sie sich in dieser Woche in den Medien denn am meisten geärgert?

„Herr Seehofer, welche Konsequenzen zieht die CSU aus dem Debakel bei der Bayern LB, das den Steuerzahler Milliarden kostet?“ Das fragte sinngemäß Tom Buhrow in den „Tagesthemen“. Und Seehofer antwortete: „Nun, 2007, das war in der Vergangenheit.“ Ja, geht’s noch? Sonst noch Neuigkeiten? Wer braucht Interviews ohne Antworten oder Berichte von Parteitreffen, bei denen das immer gleiche Nichts verzapft wird. Hauptsache auf Sendung. Die Resonanz in den Medien als Bestätigung fürs eigene politische Sein. Warum machen die Medien da mit? Das ist Langeweile pur. Wie wär’s, wenn auf solche Selbstinszenierungen mit Schweigen reagiert wird? Nicht mal ignorieren. Nichts. Wo es nix Neues zu berichten gibt, bleibt es einfach still.

Gab es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?

Jede Menge. Ich muss ja nur die richtigen Knöpfe auf der Fernbedienung drücken oder die richtigen Seiten aufschlagen. Den Wissensteil der „Zeit“ etwa. Der könnte von mir aus gerne die Titelseite ablösen. Großartig, wie der Versuch beschrieben wird, den Marsroboter Spirit wieder flott zu kriegen. Ingenieure als Mediziner, die eine Therapie über 112 Millionen Kilometer durchführen. Der Patient hat jede Menge Zipperlein. Schließlich lag seine Lebenserwartung bei 90 Tagen, jetzt macht er’s schon sechs Jahre. Das ist Neues, das ist Unbekanntes, das erweitert meinen Horizont. Mehr davon.

Was ist im Internet Ihre Lieblingswebsite derzeit?

Wie wär’s mit dem Blick auf den Mars und die Wiederbelebungsversuche dort auf http://www.nasa.gov/mission_pages/mer/index. Der Mars kann zwar genauso öde sein wie Wildbad Kreuth. Aber wenn da Aliens auftauchen sollten, dann wäre das zumindest etwas Neues.

Ingolf Baur,

Moderator des

Wissenschaftsmagazins „nano“ beim

Kultursender 3sat (Montag bis Freitag 18 Uhr 30)

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