Kolumne "Zu meinem Ärger" : Eva Herman, „Bild“-Betschwester

Evangelisch.de-Chefredakteurin Ursula Ott ärgert sich über die Berichte der Boulvard-Zeitung und freut sich über Qualitätsjournalismus.

Foto: Promo
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Frau Ott, worüber haben Sie sich in dieser Woche in den Medien am meisten geärgert?

Jeden Tag über Eva Herman in der „Bild“. Wie sie 2007 erst im Fernsehen was gesagt hat, deswegen in eine Talkshow eingeladen wurde und dort wieder rausgeworfen, darüber ein Buch geschrieben hat, das jetzt vorab gedruckt wird – gähn. Das könnte mit viel Gnade einen Internet-Blog hergeben. Aber muss sich eine Zeitung dafür hergeben? Und dann dieser larmoyante Ton. „Mama sagt am Telefon: Mein Kind, du hast die stärkste Macht hinter dir, den lieben Gott.“ Herman stilisiert sich immer noch als Opfer. Dafür muss der liebe Gott nicht herhalten.

Gab es auch etwas, über das Sie sich freuen konnten?

In der „Süddeutschen Zeitung“ am Freitag schreibt Detlef Esslinger, warum es gerade jetzt richtig ist, dass der DGB den Mindestlohn fordert. Total unsexy, das Thema, oder? Aber dafür brauchen wir Zeitungen, für solche Sätze: „Es ist systemrelevant, ob Menschen von ihrer Arbeit leben können oder zusätzlich auf Almosen angewiesen sind.“ Und: „Es gibt die Demokratie nur ganz oder gar nicht.“ Bravo!

Welche Webseite können Sie empfehlen?

Auf der schön gestalteten Seite www.das-tut-man-nicht.de der beiden Wirtschaftsjournalistinnen Ursula Weidenfeld und Margaret Heckel werden moralische Fragen diskutiert. Mutig oder feige sein, vertrauen oder nicht – gepflegter Diskurs über die Fragen des Lebens.

Ursula Ott,

Chefredakteurin von evangelisch.de und stellvertretende

Chefredakteurin von

„Chrismon“.

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