Medien : Komisch, diese Comics

Branche wächst mit „Manga“. Klassiker wie „Micky Maus“ haben stabile Verkaufszahlen

Andreas Koetter

Von Andreas Koetter

„Geiz ist geil“ schreit es in der Fernsehwerbung, Sparen soll toll sein, es herrscht Konsumflaute. Die Printmedien sind davon betroffen. Alle Printmedien? „Asterix“, „Lucky Luke“ und Co. auf jeden Fall, könnte man meinen. Schließlich sind Comics nicht gerade ein preiswertes Vergnügen – ein „Asterix“-Band kostet immerhin 8 Euro 60.

Diese Annahme stimmt so nicht. Georg F. W. Tempel, Verlagsleiter des Berliner EhapaVerlages, der traditionell mit der wöchentlichen „Micky Maus“, mit „Asterix"- und „Disney"-Alben sein Geld verdiente, hat Grund zur großen Freude: „Wir konnten 2002 unseren Umsatz dank der ,Manga’-Titel um mehr als 200 Prozent steigern.“ Bereits vor zwei Jahren hatte der Verlag dem Thema „Comics aus Japan“ ein neues Label innerhalb der Gruppe gewidmet, die „Egmont Manga & Anime Europe“. Mit einer Startauflage von 10 000 bis 15 000 Exemplaren pro Titel operiert hier der Verlag, was enorm ist, wenn man weiß, dass es die klassischen Alben-Serien, wie eben zum Beispiel „Lucky Luke“, auf 4000 Stück bringen. Und ein Ende des „Manga“-Booms ist nicht abzusehen, „der Markt wird immer noch größer“, sagt Tempel. Viele „Manga“-Titel laufen zudem so gut, dass sie nachgedruckt werden müssen.

Den Markt der „Mangas“ teilen sich Ehapa, der Hamburger Carlsen Verlag und die aus dem Zusammenschluss von Panini- und Dino-Verlag entstandene Panini Verlags GmbH nahezu allein unter sich auf. Auch Marion Egenberger, Sprecherin von Ehapa bestätigt, „dass es uns per Saldo im letzten Jahr grundsätzlich sehr gut ging und wir ein Wachstum verzeichnen konnten“. Die erwachsenen Comic-Leser, die mit Comics wie „Donald Duck“ oder „Asterix“ groß geworden sind, blieben dem Genre und ihren Favoriten treu; aus dem Katalog der „Asterix“-Titel werden pro Jahr immer noch eine Million Exemplare verkauft. Comic-Neuleser aber würden dem Zeitgeist gemäß nicht mehr mit dem Gallier oder mit „Lucky Luke“, sondern mit „Mangas“ einsteigen, sagt Marion Egenberger.

Das alles ficht die klassische „Micky Maus“ nur wenig an. Die liegt weiterhin bei einer wöchentlichen Auflage von etwa 500 000 Stück. Damit das auch so bleibt, hat man sich bei Ehapa kürzlich entschlossen, den Erscheinungstag des Heftes zu verlegen. Seit der vergangenen Woche erscheint „Micky Maus“ nicht mehr donnerstags, sondern dienstags. „Erfahrungsgemäß gibt es die meisten Verkäufe an den zwei, drei ersten Tagen nach Erscheinen. Wenn aber, wie zuletzt, ein Wochenende dazwischen liegt, dann machen wir uns selbst den Verkaufsfluss kaputt“ , erläutert Egenberger die Entscheidung des Verlages.

Auch Baldur Buscher, Geschäftsführer des „Medien-Service“, will nicht von einer Krise reden. Der Medien-Service ist der größte nicht an einen Verlag gebundene Comic- Vertrieb in Deutschland, der neben vielen Kleinverlagen auch die mittlere Kategorie im Programm führt wie Kult, Comicplus, Arboris, Schreiber & Leser oder die Schweizer Edition Moderne. Zwar sagt Buscher, „wir haben 2002 als Vertrieb einen Umsatzrückgang von etwa zehn Prozent hinnehmen müssen“, das könne man aber nicht automatisch auf die wirtschaftliche Lage zurückführen. Vielmehr hängt es auch von der Attraktivität der Titel ab, die die Verlage auf den Markt werfen: „Wir hatten im vergangenen Jahr im Gegensatz zu den Jahren davor keinen Titel, der sich ausnehmend gut verkauft hat“, sagt Buscher. Einen Renner wie „The Crow“ (wurde auch verfilmt) habe man eben nur einmal in zehn Jahren.

Wie erklärt sich eine stabile Ertragslage für Comics, wenn doch allenthalben zu hören und zu lesen ist, dass die Menschen weniger ausgeben? „Die Klientel von Verlagen wie Edition Moderne oder Schreiber & Leser hatte früher Geld, und sie hat es auch heute“, sagt Buscher, der zu wissen glaubt, „dass diese Leute ihre Jobs und ihren Verdienst haben“.

Über Stückzahlen mag er nicht sprechen, erklärt aber, „dass wir heute von einem neuen Band von Tardi bis zu fünf Mal mehr verkaufen als noch vor zehn Jahren“. Von Tardi, dem großen französischen Comic-Romancier, erschienen im vergangenen Jahr gleich zwei Alben, „Die Macht des Volkes“ und „Grabenkrieg“. Letzterer verkaufte sich laut Buscher „sehr zufriedenstellend“. Wenn man weiß, dass ein Verlag wie Edition Moderne grundsätzlich unter der Stückzahl liegt, mit der man bei einem Großverlag wie Ehapa startet (rund 4000), hat man zumindest einen Anhaltspunkt dafür, was mit „sehr zufriedenstellend“ gemeint ist.

Weniger zufrieden mit der Entwicklung sind einige der Klein- und Kleinstverlage. Dazu noch einmal Buscher: „Die Verlage, die auf Independent-Comics setzten, haben im vergangenen Jahr weniger gut verkauft“. Uwe Garske, Geschäftsführer des kleinen Wuppertaler Comic-Art-Verlages „Edition 52“, dagegen will das so nicht bestätigen. „Wer, wie wir, anspruchsvolle Comic-Kunst abseits des Mainstreams verlegt, der hat seine treue Stammleserschaft“. Und: „Bei einer limitierten Vorzugsausgabe von 300 Stück“ fänden Projekte wie „Die Abenteuer von Hergé“, ein Band über den geistigen Vater des Klassikers „Tim & Struppi“ „immer ihre Leserschaft“.

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