Medien : „Komm her, hier sind nur Frauen“

Das öffentliche Schauen von TV-Events muss keine Männerdomäne sein. Ein Besuch in Berlin-Mitte – zu „Germany’s Next Topmodel“

Yoko Rückerl

Eigentlich treffen sich in der FC Magnet Bar am Weinbergspark in Berlin-Mitte oft Männer zum Fußballschauen. Drinnen ist eine große Leinwand aufgebaut, an warmen Abenden ist der Bürgersteig vor der Bar voll mit rauchenden Männergruppen, die durchs Panoramafenster zuschauen. Doch heute ist alles anders: Auf der Leinwand weint nicht Michael Ballack, sondern eine junge Frau namens Wanda. Rund sechzig Mädchen und Frauen fiebern mit. Sie haben sich hier verabredet, zum Public Viewing von „Germany’s Next Topmodel“ (GNTM).

Denn längst wird in Bars und Cafés nicht mehr nur Fußball auf Großbildleinwänden gezeigt. In vielen deutschen Städten wie München, Hamburg und Berlin treffen sich sonntags Freunde zum „Tatort“-Gucken in der Kneipe. Das macht ihnen mehr Spaß, als alleine vorm Fernseher zu sitzen. Auch die Bar FC Magnet hat den ARD-Krimi im Public-Viewing-Programm – und seit kurzem auch die „Topmodel“-Show auf ProSieben.

Am vergangenen Donnerstag herrscht im FC Magnet noch große Busselei als bereits die erste Werbepause startet und damit auch der Angriff auf Sebastian. Der Barkeeper sieht leicht erschrocken aus. „Oh Gott, ich bin der einzige Mann hier“, sagt er. „Komm her, hier sind nur Frauen“, ruft dagegen ein anderer in sein Handy. Die „Topmodel“-Show hat er noch nie gesehen. Er war auf dem Weg zu einem Kumpel, durch die Fenster hat er die Frauen entdeckt. Die sitzen auf orangefarbenen Stühlen, vor ihnen Tische mit Blümchen und Kerzen. Klackernde Armreifen, bunte Kleider, rot lackierte Zehennägel in Sandalen. Es riecht nach Sonnenmilch und Bier.

Initiiert wurde das „Topmodel“-Public-Viewing von Donia Hamdami, der Freundin des Barbesitzers Andreas Sürken. Der passt gerade zu Hause auf das Kind auf. Nach und nach trudeln auch Hamdamis Freundinnen ein, alles Mütter um die 30. Eine sagt: „Zu Hause könnte ich mir das gar nicht so lange ansehen, da würde ich dann irgendwann anfangen Wäsche zu waschen.“ Viola, 38-jährige Stylistin, findet es lustig, sich das ganze Theater mit Freundinnen anzusehen. Eine andere gibt zu, gerne ein bisschen zu lästern. Die meisten der „GNTM“-Fans hier glauben, dass die 17-jährige Jennifer gewinnt. Aber: „Keines der Mädels wird wirklich ein Topmodel“, sagt Stefanie, 20, pinkes Tuch um den Hals, Prosecco auf Eis in der Hand. „Es macht Monsterspaß dabei zuzusehen, wie die sich zum Affen machen.“ Public-Viewing-Stimmung. Wenn Heidi Klum in zu kurzem Rock oder mit zu rotem Lippenstift zu sehen ist, wird gekreischt. Manche Mädchen finden die Klum „ätzend, affektiert, anstrengend“. Andere „stylish, wunderschön, hammer“. Und plötzlich fallen einem auch die vielen Fransenponys auf. Yoko Rückerl

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