Kommentar : Dumm gelaufen für Wikileaks

Durch menschliches Versagen schadet sich die Enthüllungsplattform selbst. Dabei wäre es höchste Zeit, dass sie wieder positive Presse bekommt.

Markus Beckedahl
Markus Beckedahl ist Blogger bei netzpolitik.org und Mitgründer der "Digitalen Gesellschaft". Für die "Netzspiegel"-Seite des Tagesspiegels schreibt er eine regelmäßige Kolumne.
Markus Beckedahl ist Blogger bei netzpolitik.org und Mitgründer der "Digitalen Gesellschaft". Für die "Netzspiegel"-Seite des...Foto: Mario Sixtus

Bei der letzten großen Veröffentlichung, den US-Depeschen, wollte Wikileaks alles etwas anders machen. Auch auf Druck der beteiligten Medienpartner wurden nicht sofort alle 250 000 Dokumente online gestellt, sondern erst mal bearbeitet, um Informanten zu schützen. Mit der neuen Methode wurden täglich nur bis zu wenige Dutzend neue Depeschen veröffentlicht. Doch plötzlich waren alle Depeschen unbearbeitet online. Warum?

Julian Assange hatte seinerzeit die Depeschen auf den Wikileaks-Server in einem versteckten Unterordner gepackt, damit Medienpartner wie der „Guardian“ diese herunterladen und bearbeiten konnten. Das Passwort dafür wurde dem „Guardian“ auf einen Zettel geschrieben, die Datei sollte auch nicht für immer online sein. Aber Wikileaks vergaß sie auf dem Server, nach Angriffen auf die Infrastruktur verteilte man dessen Inhalt auf viele andere – und dann druckte ein Journalist das Passwort in seinem Wikileaks-Buch.

Was bleibt, sind weitere schlechte Nachrichten für Wikileaks, die leider nicht mehr von neuen Veröffentlichungen handeln. Es wäre wünschenswert, wenn das Projekt wieder nach vorne blicken und seiner eigenen Mission nachkommen würde: Sichere Infrastrukturen bereitstellen, damit Whistleblower auf Missstände in der Welt hinweisen können. Sonst verspielt man weiter das letzte Vertrauen und den eigenen Ruf.

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