Kommentar : Geld schießt Tore

Fußball ist das kostbarste Fernsehrecht von allen. Ob Leo Kirch bei dem Milliarden-Deal richtig gerechnet hat, muss sich noch zeigen.

Joachim Huber

Manche Zahlen sind von berückender Schönheit. Drei Milliarden Euro sind so eine Zahl. Leo Kirch hat sie der Deutschen Fußball Liga (DFL) aufs Papier gemalt. 500 Millionen Euro pro Saison in den Kassen der 36 Profiklubs, da gab es bei den Managern kein Halten mehr. Vergessen die schwere Zeit, als das Kirch-Imperium 2002 Insolvenz anmelden musste und die Klubs um einen dreistelligen Millionenbetrag brachte. Macht man mit so einem Geschäfte? Man muss, wenn Geld schneller ausgegeben als eingenommen wird. Kirch verspricht nicht nur einen satten Zuschlag von 20 Prozent, er garantiert auch, dass die runde Summe Saison für Saison überwiesen wird – weil andere für ihn bürgen. Die DFL sieht sich auf der Sonnenseite des Lebens: Die Bundesliga besteht wenigstens noch sechs Jahre. Das Geld muss die KirchCrew heranschaffen. Bei 500 Millionen Euro je Spielzeit hat sie etwa 80 Millionen Euro mehr herauszuholen, als die DFL in Eigenvermarktung geschafft hat.

Zwar hat sich der Markt nicht vervielfacht, aber verbreitert hat er sich doch. Da sind die Anbieter von Internetfernsehen, die Kabelnetzbetreiber, und was soll den Reiz vom kommenden Handy-TV ausmachen wenn nicht das Runde im Eckigen? Darauf kann der 80-jährige Kirch, der nicht als Ex-Medienmogul in die Annalen eingehen will, bauen. Fußball ist das kostbarste Fernsehrecht von allen. Aber kein Perpetuum mobile. Ein Rechtepartikel steht gegen das andere. Und es ist eben nicht ausgemacht, dass die ARD für die „Sportschau“ einen höheren Preis bezahlen wird, sofern sich im Pay-TV und im Internetfernsehen mehr Zuschauer versammeln, die dann bei der „Sportschau“-Quote fehlen. Fußball im Bewegtbild wird derart teuer, dass sich die Rechtekäufer nur erstklassige, möglichst exklusive Ware ins Regal stellen wollen. Die Liga und ihr neuer alter Freund Leo Kirch haben sich die Bundesliga schön gedacht und hoch gerechnet. Jetzt kommt der Realitätscheck. Nach dem Deal ist vor dem Spiel.

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