Kommentar : Gnadenlos geht nicht

Joachim Huber

Die groben Vergleiche werden kommen. Was, wenn am vergangenen Sonntag neun Deutsche in Ludwigshafen bei einem Wohnungsbrand umgekommen wären? Würde man den „Tatort“ eine Woche später verschieben, nur weil der Täter im Krimi ein Deutscher in Ludwigshafen wäre? Jeder darf da seine eigene Vorhersage treffen, ob der Südwestrundfunk eine vergleichbare Entscheidung getroffen hätte. Vom Fernsehpublikum kann erwartet werden, dass es die Verschiebung akzeptiert. Ein Krimi taugt nicht für den Kulturkampf. Ulrike Folkerts wird ja trotzdem am „Tatort“, in einem anderen Fall in Ludwigshafen ermitteln. In der Verschiebung steckt eine sensible Geste des Mitgefühls und auch der Klugheit, die der angeblichen Tapferkeit im Fall der Ausstrahlung vorausgehen darf. Ludwigshafen ist harte Realität, der „Tatort: Schatten der Angst“ wirkte wie das Signal: „Wir können auch gnadenlos“.

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