Komödie : Armer Idiot

Tut gar nicht weh: Jan Josef Liefers ist „Der Mann auf dem Baum“. Der Geschlechterkampf wurde aber schon deutlich besser abgefilmt.

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Doch ein Einzelzimmer, bitte. Hans (Jan Josef Liefers, links) und Walter (Bernhard Schütz) haben spezielle Probleme, auch was den Umgang mit Frauen angeht. Foto: WDR
Doch ein Einzelzimmer, bitte. Hans (Jan Josef Liefers, links) und Walter (Bernhard Schütz) haben spezielle Probleme, auch was den...Foto: WDR/Thomas Kost

Wie sich die Zeiten ändern: Früher wurden Männer nur von Säbelzahntigern auf die Bäume getrieben. Heute sind die Frauen die gefährlichsten Widersacherinnen. Zu ihren Opfern zählen zum Beispiel Hans Mittelstädt (Jan Josef Liefers) und sein Sohn Moritz (Jannis Michel). Hans' Ex und Moritz' Mutter Linda (Suzan Anbeh) verschiebt die Wochenend-Termine, an denen der Vater den Sohn sehen darf, wie es ihr passt. Und dass sie mit Moritz und neuem Freund ins weit entfernte Dänemark umziehen will, erfährt der Vater nur, weil der Sohn es ausplaudert.

Moritz wiederum wird von einer Horde Mädchen in der Schule gemobbt. Aber wenn er sich ein einziges Mal wehrt und die besonders gemeine Anführerin schubst, wird er als Übeltäter zum Anti-Gewalt-Training verdonnert. Natürlich von einer weiblichen Lehrkraft. Man fragt sich, warum er nicht heilfroh ist, nach Dänemark fliehen zu können. Hans tritt die Flucht nach vorne an. Er besetzt den Baum auf dem Marktplatz und demonstriert mit Plakaten gegen die „Mütterdiktatur Deutschland“. Vom Lokalreporter gefragt, was er sich davon verspreche, antwortet er nur: „Gerechtigkeit“.

Außerdem hat er bei einem unfallbedingten Aufenthalt im Krankenhaus drei neue Kumpel („Wir sind keine Chauvis, wir sind männerbewegt“) gefunden, die sich nun gegen den gemeinsamen Feind verbünden. Das heißt: Angeln gehen, Bier trinken, tatsächlich nicht über Fußball reden, sondern mehr oder weniger raffinierte Pläne aushecken, um Linda vom Umzug nach Dänemark abzubringen. Aber Hans im Unglück bleibt dennoch Baum-Bewohner. „Biologisch bin ich ein Mann. Gefühlt bin ich eine verlassene Mutter. Tatsächlich bin ich ein armer Idiot“, teilt er dem Publikum mit.

Auf dem diffizilen Feld des Geschlechterkampfs glauben Silke Zertz (Buch) und Martin Gies (Regie) allerhand erklären zu müssen. Manche Dialoge in dieser Komödie sind quasi Informationsblöcke, die dem Zuschauer den Stand der Dinge zwischen Mann und Frau erläutern. Und in den Off-Kommentaren des „Erzählers“ Hans teilen sich die Befindlichkeiten des modernen Mannes mit, der sich untergebuttert und nicht mehr zeitgemäß fühlt.

Die Geschichte und ihre Protagonisten wirken auf die Botschaft hin konstruiert. Der gut gemeinte Versuch, spielerisch Verständnis für die Nöte des Mannes zu wecken, ist schon sehr offensichtlich. So besteht das „männerbewegte“ Quartett aus einer gut sortierten Sammlung von Verlierertypen. Neben Hans sind das Martin (Philipp Danne), ein junger, attraktiver Student, der seine Beziehungen per SMS zu beenden pflegt und doch insgeheim von großer Liebe und Familie träumt. Walter (Bernhard Schütz), ein wohlhabender Manager, der unter Ohrensausen und Potenzproblemen leidet, weil die weibliche Konkurrenz jünger, schneller und hübscher ist. Und, als Krone der männlichen Klischee-Schöpfung: Leo (Sven Pippig), faul, schlampig, ungebildet und ständig Bier trinkend. Wenigstens schlägt er keine Frauen, sondern geht nur hinter einem Stuhl in Deckung, wenn die Gattin das Haushalts-Inventar nach ihm wirft.

Immerhin: Weil die Figuren nicht ins Lächerliche gezogen werden, bleiben die offensiv zur Schau gestellte männliche Klage und Selbstanklage halbwegs erträglich. Man(n) empfindet schon Mitleid mit Hans und seinem Sohn, deren Meinung in der Lebensplanung der Mutter und Ex-Partnerin so gar keine Rolle spielt.

Aber der Mut zu einer richtig bösen Frauen-Figur fehlt in dieser am Ende weich gespülten Komödie. Plötzlich, das heißt nach fast 90 Minuten, dämmert es Linda, dass sie mal den zwölfjährigen Moritz nach seinen Wünschen und Gefühlen fragen könnte. Und (fast) alles löst sich in Wohlgefallen auf. Diese Art Fernsehen will nicht wehtun, will versöhnen, nicht spalten. Das ist ehrenwert, aber auch vorhersehbar und langweilig.

„Der Mann auf dem Baum“,

ARD, 20 Uhr 15; 23.11.2011

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