Komödie : Bauern suchen Frauen

Und was ist mit den Milchpreisen? "Butter bei die Fische" - ein ZDF-Film bedient so manches Bauern-Klischee

Verena Friederike Hasel
299637_0_b06dd4ab.jpg Foto: ZDF
Stefanie (Elena Uhlig) mit Bauer Heinrich (Bjarne Mädel).Foto: ZDF

Sie stammt aus dem Ruhrpott, er aus einem Dorf an der Küste Schleswig-Holsteins. Sie fährt Gabelstapler, er ist Pastor. Sie trägt ein Shirt in Leopardenoptik, dazu einen Jeansmantel, er erscheint stets in gediegenem Schwarz. Sie und er sind, ganz eindeutig, ein Traumpaar, zumindest nach dem Gesetz der Komödie, das besagt: Es muss zusammenwachsen, was partout nicht zusammengehört, und an den Reibungsfläche dieser Gegensätze, da erzeugt man das Lachen.

Mit den Hauptfiguren Petra (Ulrike Kriener) und Hans-Uwe (Peter Heinrich Brix) huldigt der ZDF-Film „Butter bei die Fische“ diesem Prinzip. „Ehefrauen gesucht, Aussehen und Alter egal, Hauptsache tierlieb“, lautet der Text der Annonce, die Dorfpastor Hans-Uwe für seinen Bruder und zwei andere Männer aus dem Dorf geschaltet hat. Tatsächlich krault einer von ihnen gerade beseelt ein Schwein, als Hans-Uwe ihm mitteilt, dass sich Frauen angekündigt haben. In einer Kneipe im Ruhrpott haben Petra und ihre Freundinnen die Anzeige gelesen, und Petra, stets in Geldnot, fährt die Frauen gern gen Norden. Sie ist interessiert an der Provision, die bei erfolgreicher Vermittlung abfällt.

Kurzum, was die Doku-Formate „Bauer sucht Frau“ und „Land und Liebe“ vorgemacht haben, präsentiert die Komödie (Regie: Lars Jessen, Buch: Georg Weber) nun im rein fiktionalen Format – und tut dies mit viel Liebe zum visuellen Detail. Da ist etwa die Dorfkirche, die wegen Baufälligkeit abgerissen werden soll, an ihrer Decke hängt ein Engel, zum Schutz in Folie eingeschlagen, weil rostrotes Wasser vom Dach heruntertropft. Da ist Petras Freundin Stefanie (Elena Uhlig), fest entschlossen, sich zu verlieben, und passend zu diesem Gemütszustand trägt sie vornehmlich Kleidung in den Nuancen rosa bis lila und schaut schwärmerisch bis dramatisch. Der Film hat allerdings zwei erhebliche Schwächen, und darin ähnelt er den Doku-Formaten. Zum einen bedient er neokonservative Tendenzen. So wird sich Stefanie, kaum ist sie mit ihrem fliederfarbenen Koffer beim designierten Ehemann eingezogen, gleich ans Kochen machen. Liebesfuror gibt es auf dem Land nicht, dafür beweisen die Frauen große Putzwut.

Schwerer noch wiegt etwas anderes: In „Butter bei die Fische“ wird nicht nur die Kuh, sondern auch das Klischee gemolken. Glaubt man dem Film, beschränkt der Bauer als solcher und gerade der aus Schleswig-Holstein seine verbalen Mitteilungen auf ein Minimum, treuherzig und tumb zuppelt er lieber am Euter der Kühe herum. In Wirklichkeit aber ist inzwischen jeder, der mit Kühen versucht sein Geld zu verdienen, längst erfahren im Krisenmanagement, fährt nach Brüssel, um für höhere Milchpreise zu demonstrieren, und kämpft angesichts der für 2015 geplanten Abschaffung der Milchquote ums Überleben. Vielleicht hätte ein Film, der zwischen den verwaisten Industrieschloten des Ruhrpotts und den darbenden Dörfern Schleswig-Holsteins spielt, mehr zum Drama als zur Komödie getaugt.Verena Friederike Hasel

„Butter bei die Fische“, ZDF, Montag, 20 Uhr 15

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