Komödie : Der Entschleuniger

Schauspieler und Figur in einem: Publikumsliebling Horst Krause ist 70 geworden und zum dritten Mal Titelheld.

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Polizeihauptmeister privat. Horst Krause (Horst Krause, links, mit Tilo Prückner) ist vom praktischen Nutzen des Gastgeschenks wenig überzeugt. Foto: RBB
Polizeihauptmeister privat. Horst Krause (Horst Krause, links, mit Tilo Prückner) ist vom praktischen Nutzen des Gastgeschenks...Foto: rbb/Arnim Thomaß

Zum dritten Mal ist Polizeihauptmeister Krause aus dem Potsdamer „Polizeiruf“ Hauptfigur einer eigenen Geschichte. In „Krauses Fest“ feierte er Weihnachten, in „Krauses Kur“ reiste er mit seinen beiden Schwestern, die den elterlichen Gasthof führen, an die Ostsee. Und weil Krause-Darsteller Horst Krause, der genauso heißt wie seine Figur (oder umgekehrt), am Sonntag siebzig Jahre alt geworden ist, darf er sich über einen neuen Film freuen. Mit Trubel um seine Person kann der dicke Krause, Figur wie Darsteller, allerdings nicht viel anfangen; und womöglich gilt das auch für dieses Werk.

Das Unbehagen beginnt schon mit dem Titel. Um der Tradition treu zu bleiben, heißt die jüngste Geschichte „Krauses Braut“, was nahelegt, dass Krause heiratet. Bei seinem ersten Solo durfte er sich ja schon mal verlieben. Tatsächlich endet die Geschichte mit einer Hochzeit, doch es ehelicht nicht etwa Krause, sondern seine jüngere Schwester Meta (Angelika Böttiger). Während der Kur hatte es zwischen ihr und einem Kölner Taxifahrer (Tilo Prückner) kräftig gefunkt. Dass der Rudi, Typ rheinische Frohnatur und daher mit dem völlig unpassenden Nachnamen Weisglut gestraft, die Meta ins heimische Köln entführen will, bringt den Haussegen der Krauses in eine bedrohliche Schieflage. Metas Auszug wäre das Ende für das Wirtshaus.

Leider ist das schon die gesamte Handlung. Es ist zwar erneut ein außerordentliches Vergnügen, Horst Krause, Carmen-Maja Antoni und Angelika Böttiger als Geschwister zu erleben, zumal die Dialoge vor allem in der ersten Hälfte des Films beste Komödie sind. Gerade Antoni darf sich als Schwester Elsa nach Herzenslust das Maul zerreißen. Und dass Bernd Böhlich, der den Krause vor gut zwanzig Jahren erfunden hat, den Film ähnlich gemessen inszeniert, wie sich der dicke Krause fortbewegt, ist zunächst auch kein Problem, weil Figuren und Darsteller genug zu tun haben.

Für die zweite Hälfte ist Böhlich allerdings nicht viel eingefallen, und nun wirkt das Tempo auch nicht mehr wie eine Hommage an die Entschleunigung, sondern bloß noch schleppend. Es gibt ein viel zu ausführlich inszeniertes Hochzeitsfest, das beinahe ins Wasser gefallen wäre, weil Meta von einer „Event“-Firma betrogen worden ist, und dann plätschert die Geschichte langsam aus. Selbst die Auftritte der Gaststars Dominique Horwitz und Fritzi Haberlandt sorgen nur zwischenzeitlich für Belebung.

Die ersten sechzig Minuten dieses Filmes sind allerdings wunderbare Unterhaltung, selbst wenn der Film über weite Strecken wie ein Kammerspiel wirkt, weil sich die meisten Szenen in der Gaststube zutragen. Wunderbar sind auch die gemeinsamen Auftritte von Andreas Schmidt als notorisch erfolgloser Nachbar Schlunzke, weil er und Krause so großartige Gegensätze sind. Dass ausgerechnet der ewige Verlierer zumindest für eine Nacht das große Los zieht, ist zudem eine äußerst sympathische Idee. Besser noch war Böhlichs Einfall, Schlunzke zum Vater zu machen: Ausgerechnet seine Tochter entpuppt sich am Ende als Rettung für den Gasthof, und sollte es eine weitere Fortsetzung geben, muss die junge Sonja Gerhardt (Hauptdarstellerin des Teenie-Films „Sommer“ und eines der „Wilden Hühner“) unbedingt wieder mit dabei sein.

Für Fritz Roth dürfte das eher nicht gelten. Der spielt im neuen Potsdamer „Polizeiruf“-Team einen peniblen Polizisten namens Wolle, darf in „Krauses Braut“ (wie schon in „Krauses Fest“) aber erneut als trauriger Tischler Karsunke mitwirken. Da hat die Redaktion aber nicht so gut aufgepasst.

„Krauses Braut“, 20 Uhr 15, ARD

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