Komödie : Usedomer Wanderniere

Das Erste schickt den Brandenburger Dorfpolizisten Horst Krause zur Kur

Kurt Sagatz
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Für Horst Krause - im Bild mit seiner Bewegungstherapeutin (Rebecca Lina) - läuft es in der Kur alles andere als rund.Foto: RBB

Beliebt, beleibt und bedürftig – erholungsbedürftig. Brandenburgs bekanntester Dorfpolizist Horst Krause (Horst Krause) schrammt nur knapp an einem Herzinfarkt vorbei, als er Gänsebauer Schlunzke (Andreas Schmidt) dabei ertappt, wie er im Naturschutzgebiet einen Zaun für eine Straußenfarm ziehen will. Die Diagnose von Hausärztin Dr. Jessen (Fritzi Haberlandt) ist eindeutig: zu wenig Bewegung, ungesunde Ernährung und seit Jahren keinen Urlaub. Da können selbst die Störche auf den Dächern von Schönhorst nichts ändern, Krause braucht eine Kur.

„Krauses Kur“ (ARD) ist zugleich Krause privat. Wie bereits in „Krauses Fest“ ist der Revierpolizist eben nicht im gewohnten Einsatz des „Polizeiruf 110“, auch wenn er von sich meint, immer im Dienst zu sein. Beispielsweise nachts, wenn sich die Dorfjugend mal wieder zu einer Rennfahrt durchs Dorf versammelt und er ihnen im Schlafanzug die Autoschlüssel abnimmt. Tags darauf sitzen Krause und seine Schwestern Elsa (Carmen-Maja Antoni) und Meta (Angelika Böttiger) mit Verschwörermiene zusammen und schmieden ein Plan: Krause fährt zur Kur nach Usedom, seine Schwestern kommen mit – im eingemotteten Campingwagen Modell „Dübener Ei“ oder umgangssprachlich „Wanderniere“, mit dem sie einst mit ihren Eltern die Ostseeinsel besucht hatten.

„Krauses Kur“ ist ein unterhaltsamer Film mit ausgezeichneter Besetzung (Tilo Prückner, Irm Hermann und Alexander Beyer), in den Bernd Böhlich (Buch und Regie) mehr als eine Botschaft gepackt hat. Dass man seine Gesundheit nicht vernachlässigen darf, ist eine davon. Krause hat zugleich klare Vorstellungen, was sich gehört und warum ein Zeltplatz wichtiger ist als ein Golfplatz mit Ostseeblick. Denn für Geschäftemacherei hat Krause null Verständnis. Gänse für das Weihnachtsfest zu halten, damit kann er etwas anfangen, für Spekulanten hat er nichts übrig. Doch nicht nur darin ist der Brandenburger der Gegentwurf zum Glamour-Fernsehen des schönen Scheins und des vermeintlichen Ruhms. Krauses Kurerfahrungen auf der Ostseeinsel widersprechen zugleich dem im Fernsehen sonst so verbreiteten Jugendwahn. Böhlichs Figuren sind durch und durch pragmatisch, geerdet selbst im Ostseesand. Kurt Sagatz

„Krauses Kur“, Mittwoch, ARD, 20 Uhr 15

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