Komödie : Wehe, wenn Hape kommt

Star-Komödie: Erstmals standen Götz George und Hannelore Elsner gemeinsam vor der Kamera.

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Eine Frau bekommt ihren Spaß. Hape (Götz George) unterhält die Witwe Martha (Hannelore Elsner).Foto: ZDF
Eine Frau bekommt ihren Spaß. Hape (Götz George) unterhält die Witwe Martha (Hannelore Elsner).Foto: ZDFFoto: Barbara Bauriedl

Hape ist nicht mehr der Jüngste, aber immer noch Umweltaktivist und ansonsten arbeitslos. Ein Freund schlägt ihm vor, sich eine ältere Dame mit Geld zu schnappen – ein guter Rat, denn anders als auf dem Arbeitsmarkt hat Hape an der Partnerbörse immer noch etwas zu bieten: ein Lächeln, ein Blick, der etwas verspricht, und sogar noch Figur. Gespielt wird der sympathische Loser von Götz George, und der wird sich wohl einen Rest seines Schimanski-Appeals bis ins hohe Alter bewahren.

Martha, auch schon über sechzig, macht es ganz anders als Hape. Sie befolgt die vielen guten Ratschläge, mit denen die demente Mutter, die vom Leben enttäuschte Tochter, die Therapeutin und der Steuerberater ihr kommen, gerade nicht. Sogar den Einspruch ihres eigenen Verstandes ignoriert sie souverän, als Hallodri Hape ihren Weg kreuzt, jedesmal die Brieftasche vergessen hat, wenn er mit ihr ausgeht und schließlich sogar große Beträge von ihr erbittet, angeblich, um sie profitabel zu investieren. Martha ist reich, sie lebt im Luxus, und das Einzige, was ihr zu ihrem Glück fehlt, ist jemand wie Hape ( der ihr gegenüber als seriöser „Gerd-Rudolf“ vorstellt). Dafür zahlt sie gern. Gespielt wird Martha von Hannelore Elsner, die sich einen Rest ihrer mit einem Augenzwinkern durchwirkten Koketterie wohl bis ins hohe Alter bewahren wird.

Wer diese beiden Schauspieler, die in „Lüg weiter, Liebling“ zum ersten Mal gemeinsam vor der Kamera standen, besonders gerne mag, wird bei der kleinen Komödie auf seine Kosten kommen. Alle anderen aber dürften etwas ratlos vor der Glotze hocken. Denn die Geschichte erschöpft sich in der oben angeführten Inhaltsangabe. Die Dialoge sind erschütternd schlicht. Nicht einmal die tausend Geschichten, die Hape angeblich auf Lager hat und die Martha so brennend gerne hören möchte, geben der Tonspur des Films ein wenig Glanz.

Die eine Geschichte ist unverständlich, die andere kennt eh jeder, und so wurde eine Chance vertan, dem Hallodri so etwas wie lyrische Verführungskunst mitzugeben. Aber auch die musikalische Untermalung gibt Rätsel auf. Urplötzlich ertönt Gilbert Bécauds „Nathalie“, wo die Heldin doch Martha heißt und der Rote Platz samt Lenins Grab mit der Côte d'Azur, wo der Film gerade spielt, nicht wirklich zusammenpasst.

Wenig unterstützt von Buch und Regie (Gabriela Zerhau) tragen die beiden Protagonisten diesen Film ganz allein – und immerhin, das schaffen sie. Die alternde Gesellschaft beweist mit diesen Stars, dass sie keine langweilige Gesellschaft werden muss. Denn was das Alter an zusätzlichen Ausdrucksqualitäten aufzubieten hat: eine differenzierte Mimik in Gesichtern, die Glätte verloren, aber Erlebnistiefe gewonnen haben, das zeigen Elsner und George in aller Fülle und Feinheit. Wir haben uns daran gewöhnt, Persönlichkeiten, auch Schauspieler, die alt geworden, aber attraktiv geblieben sind, dadurch zu loben, dass wir ihnen bescheinigen, etwas bewahrt, etwas nicht verloren zu haben (Reiz, Frische, Figur, siehe oben).

Das ist nur die eine Perspektive, die andere ist genauso wichtig. Man sollte genauer hingucken und dann hervorheben, was alte Mimen hinzugewonnen haben. Und das ist, allgemein gesprochen, eine Lebendigkeit der Erfahrung, die nur das Alter gewährt, statt einer Lebendigkeit der Erwartung, wie die Jugend sie kennt. „Lüg weiter, Liebling“ liefert erstklassiges Anschauungsmaterial für eine solche Gesichter-Studie.Barbara Sichtermann

„Lüg weiter, Liebling“, Montag, ZDF, 20 Uhr 15

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