Komödie : Witzchen mit Elch

Familie war mit, Wetter war schön: Die ARD schickt drei gestandene Schauspieler nach Schweden und in den falschen Film.

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Hilfsbedürftig. Die drei Freunde Jens (Mark Waschke, von li.), Malte (Fritz Karl) und Thomas (Wotan Wilke Möhring). Foto: WDR
Hilfsbedürftig. Die drei Freunde Jens (Mark Waschke, von li.), Malte (Fritz Karl) und Thomas (Wotan Wilke Möhring). Foto: WDRFoto: WDR/Thomas Kost

Frauen, Kinder und Konkurs – das sind die Katastrophen für den Mann um die vierzig. Ein paar echte oder eingebildete Wehwehchen noch dazugerechnet, ergibt sich eine prächtige Midlife-Crisis, die sich am besten in einsamer Natur im hohen Norden kurieren lässt. Das einzige Problem: Man(n) entkommt sich hier nicht - erst recht nicht, wenn man in Begleitung von zwei mindestens so orientierungslosen Schicksalsgenossen reist.

„Freilaufende Männer“, Matthias Tiefenbachers Fernsehfilm nach Gernot Grickschs recht offensichtlich autobiografisch geprägten Erfolgsroman, wirkt wie der verzweifelte Gegenentwurf zur Frauendebatte: Bitte, wir möchten auch mal schwach und hilfsbedürftig sein dürfen! Dass diesen drei antriebslosen Schluffis angesichts von energisch auftretender Weiblichkeit Angst und Bange wird, verwundert nicht. Zum Mitleid reizt es kaum. Zumal sich die Frauenrollen auf der Skala zwischen blondem Sextraum (Lisa Werlinder) und sitzengelassener Geliebter (Jördis Triebel) bewegen. „Männer sind so verletzlich. Männer sind auf dieser Welt einfach unersetzlich“, sang Herbert Grönemeyer 1984. Weiter ist der Film in seiner Geschlechteranalyse nicht gekommen.

Drei Männer allein im Wald also, Sommerurlaub in Schweden. Könnte so schön sein. Wenn nicht der eine Kandidat (Wotan Wilke Möhring) von Angstschüben und Schnappatmung befallen, der zweite (Mark Waschke) zwischen Geliebter und Ehefrau hin- und hergerissen und der dritte (Fritz Karl) hyperventilierend abwechselnd auf Koks oder Alkohol und hinter jedem Rock her wäre. So wird der Urlaubstrip schon zum Albtraum, bevor der Nachbar mit dem Gewehr, die Geliebte mit Aufbackbrötchen und die Vermieterin mit sexuellen Angeboten kommt. Schade nur, dass alle Drehbuchideen (Rudern auf dem See, der Motor fällt aus, Joggen im Wald, ein Elch kommt vorbei) so unendlich vorhersehbar sind.

Okay, das ist hier eine Komödie, so ernst soll man es nicht nehmen. Ist ja schön, dass sich auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen an Komödien wagt. Doch Komödie, das wussten schon Billy Wilder und Ernst Lubitsch, ist die allerschwerste Disziplin. Wenn der Ton nicht stimmt, säuft der Leichtsinn ab wie eine Bleiente. Und hier stimmt der Ton nicht, nicht in einfallslosen Dialogen, nicht im penetrant überagierenden Dreigespann. Sie alle hat man besser gesehen, doch hier fremdeln sie offensichtlich in den Rollen. Spielerisch männliche Macken aufs Korn nehmen, das will der Film mit diesen natürlich im Kern höchst liebenswürdigen Charakteren. Doch das Ganze hat einen unangenehmen Unterton von Selbstmitleid. Männer haben’s leicht, nehmen's schwer.

Wotan Wilke Möhring sagt im Presseheft, sie hatten Spaß am Set. Familie war mit, Wetter war schön. Ähnlich äußern sich die Kollegen. Doch mehr als eine Art Sommerurlaub sollte bei einem solchen Unternehmen schon rausspringen.

„Freilaufende Männer“,

20 Uhr 15, ARD

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