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Konkurrenz für Google : Facebook lässt Freunde suchen

Mark Zuckerberg stellt die neue "Suche im Social Graph vor". Damit können Personen, Orte, Fotos und andere Inhalte herausgefiltert werden, die auf Facebook geteilt wurden. Und für die Websuche wird die Kooperation mit Bing von Microsoft intensiviert.

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Personen, die meine Interessen teilen. Mit GraphSearch hat Facebook einen neuen Suchansatz geschaffen.
Personen, die meine Interessen teilen. Mit GraphSearch hat Facebook einen neuen Suchansatz geschaffen.Foto: Promo

Welche meiner Freunde mögen die Musik von Seeed? Welche Freunde meiner Freunde haben im vergangenen Jahr den Volkspark Friedrichshain besucht? Und welcher Freund hat noch Fotos auf meiner Party geschossen? Auf Fragen dieser Art sollen Facebook-Nutzer künftig über eine neuartige Suchfunktion Antworten bekommen. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg stellte am Dienstag im kalifornischen Menlo Park die lange erwartete neue Suchfunktion namens „Graph Search“ vor. Der soziale Graph ist eine gigantische Datenmenge und umfasst bei Facebook alle Nutzer, Inhalte und Verbindungen. Allein die Menge an Fotos ist gewaltig. Die derzeit etwas über eine Milliarde Facebook-Nutzer haben bislang 240 Milliarden Fotos hochgeladen. Vor allem aber ist die „Suche im Social Graph“ eine Kampfansage an Google im Wettstreit um die Werbekunden.

Zugleich intensiviert Facebook die Partnerschaft mit Microsoft. Die beiden Unternehmen sind seit 2007 über ein strategisches Investment des Softwarekonzern in Höhe von 240 Millionen Dollar miteinander verbunden. Wird in die neue Suchleiste von Facebook nun eine Anfrage gestellt, die nur über das World Wide Web zu beantwortet ist, springt automatisch Microsofts Suchmaschine Bing ein.
Hinter dem neuen Facebook-Projekt, das vorerst ausgewählten Nutzern vor allem in den USA vorbehalten ist, stehen mit Lars Rasmussen und Tom Stocky zwei ehemalige Google-Mitarbeiter. Zum Team von „Graph Search“ gehören inzwischen rund 50 Entwickler, die seit über einem Jahr an der neuen Suchfunktion arbeiten.

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1 von 30Foto: Matt Harnack / Facebook
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„Graph Search ist ein neuer Weg für Menschen, Informationen auf Facebook zu finden“, beschrieb Zuckerberg die neue Funktion, die als größere Suchleiste oben auf jeder Seite bei Facebook angezeigt wird. Die Anfragen können aus Schlüsselworten oder einfachen Sätzen bestehen. Die Ergebnisse sind für jedes Facebook-Mitglied unterschiedlich, da für die Suche neben dem öffentlichen Bereich immer nur der eigene Freundeskreis ausgewertet wird. Die Privatsphäre-Einstellungen würden dabei in vollem Umfang eingehalten, betonte Zuckerberg. Bei Graph Search würden ausschließlich Inhalte angezeigt, auf die der Suchende ohnehin Zugriff hat, weil sie von Freunden mit ihm geteilt wurden oder ohnehin als öffentlich kategorisiert wurden.
„Wir sehen da schon die Gefahr einer weiteren Profilbildung“, erwidert Carola Elbrecht vom Verbraucherzentrale Bundesverband gegenüber dpa. Das bedeutet: Aus den Interessen der Nutzer entstehen Profile, die zum Beispiel für personalisierte Werbung genutzt werden. „Für Unternehmen sind solche Datensätze natürlich unglaublich interessant.“ Umso wichtiger wird es für Facebook-Nutzer, ihre Privatsphäre-Einstellungen zu überprüfen. „Ich finde das überhaupt nicht toll“, sagte auch Thilo Weichert, Datenschutzbeauftragter von Schleswig-Holstein. Die erweiterte Suche führe dazu, „dass völlig unkalkulierbar auf einmal Daten ausgewertet werden“.

Im ersten Schritt werden nur Informationen über Kontakte, Fotos, Orte und Interessen durchsucht, weitere Kategorien sollen später folgen. Wann die Suche nach Deutschland kommt, ist nicht bekannt.
Die Ankündigung der Pressekonferenz auf der CES hatte den Kurs der Facebook-Aktie vor einer Woche über die Marke von 30 Dollar katapultiert. Die Einladung war in Apple-Manier sehr vage gehalten. „Komm und schau, was wir gebaut haben“, lautete der Text. Die Vorstellung selbst dämpfte die Euphorie der Börse dann etwas. Nach der Präsentation gab der Kurs in New York um 2,74 Prozent auf 30,10 Dollar nach. Viele Analysten hatten mehr erwartet. Von einem Facebook-Smartphone, einem eigenen mobilen Betriebssystem oder einer komplett neu gestalteten App war die Rede.

Heftig traf die Ankündigung das Empfehlungsnetzwerk Yelp, dessen Aktienkurs um sechs Prozent einbrach. Die neue Suche kann Ergebnisse von Portalen wie Yelp einbeziehen, so sie denn von Facebook-Freunden geteilt wurden. Aber auch für die Suche nach neuen Mitarbeitern könnte „Graph Search“ eingesetzt werden, was zu Lasten von Business-Netzwerken wie Linked-In oder Xing ginge.
Schnelle Einnahmen durch Werbung im Suchumfeld erwartet Zuckerberg nicht. Gleichwohl handelt es sich bei Graph Search um ein zukünftiges Geschäftsfeld, wie der Facebook-Chef sagte. Bei der gewöhnlichen Internet-Suche ist es den Konkurrenten nicht gelungen, Google Marktanteile streitig zu machen. Der Marktführer hat die soziale Komponente ebenfalls in die Suchstrategie eingebaut. Treffer, die von eigenen Kontakten bei Google+ geteilt werden, werden höher bewertet. Doch so stark personalisiert wie die Facebook-Funktion war noch keine Suchmaschine.

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