Konkurrenz für Sky : Amazon startet 25 Pay-TV-Kanäle

Von „Fix und Foxi“ bis zu „Turk on Video“: Amazon streamt 25 Pay-TV-Kanäle fürs deutsche Publikum

Jörg Seewald
Der Syfy-Horror-Channel im Amazon-Streamingdienst wirbt mit Top-Schockern. Bezahlt werden muss dafür extra. Foto: Promo
Der Syfy-Horror-Channel im Amazon-Streamingdienst wirbt mit Top-Schockern. Bezahlt werden muss dafür extra.Foto: Promo

Ob es ein Großangriff ist, wird sich zeigen: Zumindest leistet sich Versandhändler Amazon von Dienstag an 25 eigene Fernsehkanäle. Sie sollen sowohl die eigene Amazon-Prime-Kundschaft mit noch mehr Inhalten ködern als auch den vielen inhaltshungrigen, unterhaltungssüchtigen Jugendlichen neuen Content bieten. Wobei das mit dem „neu“ relativ zu sehen ist. Denn die meisten Kanäle bieten alten Wein in neuen Schläuchen. So hat der Münchner Filmhändler Herbert Kloiber zum Beispiel über „Filmtastic“ – laut Amazon „Kinospaß pur mit Blockbustern, Kultfilmen und Geheimtipps von Filmexperten“ – eine neue Ausspielmöglichkeit für sein umfangreiches Filmarchiv gefunden. Den Kunden kostet der Spaß 3,99 Euro monatlich.

Alex Green, der Europachef der Amazon-Channels, betonte bei einer Visite in München die große Flexibilität, die die Kunden in Deutschland, Österreich und Großbritannien beim zeitgleichen Start der Channels genießen. „Alle Kanäle sind einzeln verfügbar. Man muss kein Paket kaufen und kann jederzeit kündigen. Außerdem kann man alles zwei Wochen kostenlos testen und so genau das finden, was man sehen möchte.“ Und die wirklich gute Nachricht für Kunden: Alle Channels sind auf allen Endgeräten verfügbar vom Handy bis zum großen Bildschirm. Für Green ist das „eine Revolution in der Pay-TV-Industrie, und zwar eine sehr kundenorientierte“.

Unter diesen 25 Kanälen gibt es keinen einzigen Amazon-Prime-Sender. „Bei den Channels arbeiten wir mit Drittparteien“, sagt Green, „das ist das Modell. In Großbritannien haben wir einen von uns kuratierten Channel mit Bollywood und Inhalten aus Indien, weil das dort ein großes Segment bedient.“ Der deutsche Pay-TV-Markt ist sehr schwierig, das weiß man auch bei Amazon. „Aber wir sind bereits der führende Streaminganbieter in Deutschland. Das Verhalten der Leute ändert sich. Sie suchen einen vertrauenswürdigen Anbieter. Das sind wir. Wir binden niemanden an Langzeitverträge, sondern lassen die Leute ihr Programm selber zusammenstellen. Das ist die flexible Alternative zum klassischen Pay TV.“

Amazon stellt nur die Plattform bereit

Das Geschäftsmodell kommt Amazon entgegen. „Die Anbieter sind diejenigen, die in die Produktion der Inhalte investieren. Wir stellen nur die Plattform zur Verbreitung zur Verfügung. Wir müssen also nicht Unmengen in dieses Modell investieren“, erläutert Green. Also darf ab heute der Amazon-Prime-Kunde überlegen, ob er 3,99 Euro monatlich in „Arthouse CNMA“ investiert oder 4,99 Euro in den „Fix und Foxi“-Channel oder in die ganze Welt des Pferdesports eintaucht für 3,99 Euro bei „Horse & Country TV HD“. Ein weiterer Kanal ist „Waidwerk“ für Angler, Jäger und Outdoorbegeisterte, auch alte „Terra X“-Folgen können abgerufen werden. Die über drei Millionen Türken in Deutschland bekommen ebenfalls ihre Amazon-Heimat: „Turk on Video“ zeigt aktuelle Kinohits aus der Türkei on demand in türkischer Originalfassung. RTL liefert auf „GEO Television“ preisgekrönte Dokumentationen und Reportagen linear und on demand.

Amazon habe mehrere Millionen Prime-Kunden in Deutschland, sagte Green, ohne eine genaue Zahl zu nennen. Die sollten nun à la carte ihre Favoriten zusammenstellen und einzeln bezahlen. „Wir werden sehen, wie sich das entwickelt und eventuell später Rabattprogramme entwickeln“.

Gerüchte über einen eigenen Bundesliga-Streamingkanal dementiert Green vorerst. Er kann sich aber vorstellen, dass Amazon ähnlich wie in den USA, wo die Donnerstags-Footballspiele beim Streamingdienst laufen, auch irgendwann die Freitagsspiele der Bundesliga eine eigene Amazon-Abspielstation bekommen könnten. Bis dahin wird aber erst mal an einem Bundesliga-Hörfunkkanal ab der nächsten Saison gebastelt. Jörg Seewald

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