''Kontraste''-Moderatorin Frohloff : „Revolution? Muss ja nicht sein“

Astrid Frohloff moderiert das Magazin „Kontraste“. Ein Gespräch über Wichtigkeit, Aufklärung und Blond

Die Journalistin, geboren 1962, kennt das private und das öffentlich-rechtliche Fernsehen. Zunächst Nachrichtenredakteurin bei RTL, arbeitete sie anschließend für den NDR („Das!“). Für Sat 1 war sie von 1995 bis 1999 Nahostkorrespondentin in Jerusalem, anschließend moderierte sie die Nachrichtensendung „18:30“. Seit September 2007 arbeitet sie für den Rundfunk Berlin-Brandenburg. Sie moderierte die Talksendung „Im Palais“, das RBB-Magazin „Klartext“ und das ARD-Magazin „Kontraste“.

Frau Frohloff, „Kontraste“ ist einer der Dinos unter den politischen Magazinen. Wie konnte das passieren?

Das müssen Sie die knapp drei Millionen Zuschauer fragen, die regelmäßig einschalten und „Kontraste“ offensichtlich sehr schätzen. „Kontraste“ bringt Themen, die Sie sonst nirgends finden.

Das werden „Monitor“, „Fakt“ und wie sie alle heißen ganz genau so auch für sich in Anspruch nehmen.

Wenn Sie wissen wollen, was „Kontraste“ von allen anderen unterscheidet, kann ich Ihnen das sagen. „Kontraste“ sitzt direkt an der Schnittstelle Ost-West, also an der Quelle, was dieses Thema angeht. Auf diesem Gebiet hat „Kontraste“ Unglaubliches geleistet. Wenn einer wie Friedrich Schorlemmer sagt, „durch ,Kontraste’ sind wir im Osten in der Vorwendezeit eigentlich erst wach geworden“, dann spricht das in meinen Augen für sich.

Glorreiche Zeiten, sicher. Aber wen weckt „Kontraste“ heute noch auf?

Nehmen Sie als ein Beispiel unter vielen den Fall der Jugendstrafanstalt Berlin- Plötzensee. „Kontraste“ hat den nächtlichen Drogenschmuggel aufgedeckt und gefilmt. Das hat Schlagzeilen gemacht.

Ist es die vornehmste Aufgabe von „Kontraste“, Schlagzeilen zu produzieren?

Schlagzeilen im Sinne von in Bewegung bringen, Dinge aufrollen, auf etwas aufmerksam machen, ja, unbedingt. Besonders dann, wenn niemandem sonst zu einem Thema etwas aufgefallen ist.

Müssen es denn immer Skandale sein? Wo bleibt das Positive?

Kann es sein, dass Sie länger nicht „Kontraste“ gesehen haben? Über Skandale müssen wir berichten, vor allem, wenn wir sie entdecken. Wir kümmern uns aber auch um Themen jenseits des Mainstreams. Wir buddeln nicht nur, wir liefern auch Futter für heikle Fragen. Zum Beispiel begleiten wir kontinuierlich und aufmerksam das Engagement der Bundeswehr in Afghanistan. Wir nehmen klar Stellung, wir stellen Fragen, wir geben Orientierung. Positiv genug?

Die Quote steigt. Sind schlechte Zeiten immer gute Zeiten für politische Magazine?

Politische Magazine wie „Kontraste“ wird es sicher noch sehr lange geben. Weil es ein ausgeprägtes Bedürfnis nach seriöser Aufklärung und Information gibt. Auch bei jungen Menschen, um Ihrer Frage nach dem Altersdurchschnitt unserer Zuschauer zuvorzukommen. Die Sie ja sicher stellen wollten, oder?

Sicher. Aber bevor wir zu den über 60-Jährigen kommen noch eine andere Frage: Sind Sie an der Vorbereitung der Sendung beteiligt oder „nur“ die Moderatorin?

Ich bin in der Sendewoche jeden Tag in der Redaktion, ich bin dabei, wenn es um mögliche Themen geht, ich bin dabei, wenn es darum geht, einen Film abzunehmen, also das endgültige Okay zu geben, wir reden darüber, ob und wenn ja, was geändert werden sollte. Da geht es auch schon mal richtig zur Sache, und das ist auch gut so. Weil es zeigt, wie engagiert die Redaktion arbeitet.

Sie haben journalistisch die Welt gesehen. Wie könnte „Kontraste“ davon profitieren?

Ich bin jetzt gerade mal vier Monate dabei. Zur Zeit ist mein Status der einer Mutterschaftsvertreterin von Silke Böschen. Mir steht es in keiner Weise zu, die „Kontraste-Revolution“ auszurufen. Muss ja auch nicht sein.

Sie sind auch beim RBB-Magazin „Klartext“ als Moderatorin eingesprungen. Sind Sie die Mutterschaftsvertreterin des Senders?

Sieht so aus. Michael Naumann war aber meines Wissens nicht schwanger, als er die Talksendung „Im Palais“ an mich abgab.

Der Ton bei „Kontraste“ klingt oft ein wenig von oben herab: Wir erzählen Euch kleinen Pudeln jetzt mal was. Muss das so sein?

Wir erfüllen den klassischen Auftrag der öffentlich-rechtlichen Sender, wozu auch meinungsbildende Information gehört. Aber doch nicht verbissen oder verbiestert. Und schon gar nicht arrogant, da kann ich Ihren Eindruck in keiner Weise nachvollziehen. Wenn es uns gelingt, Anstöße zu geben, die zum Nachdenken und im Idealfall zu Veränderung führen, dann hat Aufklärung viel erreicht. Viel mehr kann man als Journalist nicht erreichen, da brauchen wir uns nichts vorzumachen.

Ist Ihnen das ewig Kritische nicht auch manchmal des Kritischen zuviel?

Ich bin mit der Erfahrung groß geworden, dass der Impetus der politischen Magazine im deutschen Fernsehen etwas ganz Besonderes und etwas ganz besonders Wichtiges ist. Das hat sich bei mir nie verwässert. Ich finde den kritischen Blick aus der Distanz auf die Ereignisse, wie ihn „Kontraste“ versucht, als ausgesprochen wohltuend. Und lohnend.

Es gibt Dokumentationen, Reportagen, Hintergrundberichte. Wozu brauchen wir da noch politische Magazine wie „Kontraste“?

Gute Frage. Gegenfrage: Wozu brauchen wir den „Stern“, wozu den „Spiegel“, wozu „Focus“?

Gute Gegenfrage. Können Sie uns erzählen, warum inzwischen nur noch Frauen Magazine moderieren? Was bringt das?

Komische Frage. Würden Sie auch fragen, was es uns gebracht hat, dass die politischen Magazine jahrzehntelang von Männern moderiert wurden? Nein, würden Sie nicht. Vielleicht war es ganz einfach an der Zeit, dass auch Frauen politische Magazine moderieren.

Aber nur noch Frauen!

Sie können sich auf den Kopf stellen, wenn Sie mögen, aber ich kann Ihnen das nicht beantworten. Die Frage stellt sich mir so nicht.

Wie hoch ist der Anteil einer Moderatorin am Erfolg einer Sendung ist?

Wenn dem Zuschauer eine Moderatorin – oder ein Moderator – gefällt, dann schaltet er nicht so leicht weg.

Blondes Lock- und Bindemittel.

Bindemittel ja, Haarfarbe spielt keine Rolle. Ein guter Moderator soll selbstverständlich die Zuschauer binden. Was mich angeht: Ich bin Journalistin. Ich möchte den Leuten – auch als Moderatorin – etwas erzählen, was sie angeht. Ich möchte mich mit der Sendung, die ich moderiere, identifizieren können, was bei „Kontraste“ kein Problem ist, und ich möchte das Gefühl haben, beim Zuschauer Aufnahmebereitschaft und Neugier wecken zu können.

Sie sind auf dem besten Weg, zum politischen Gesicht des RBB zu werden. War das so geplant?

Wenn es so wäre, dann wäre es nichts als reiner Zufall.

Das Interview führten Thomas Eckert und Joachim Huber.

„Kontraste“, Donnerstag, 21 Uhr 45, ARD

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