Medien : Kopfbilder

Simone Schellhammer

Megacitys, Teil 1: New York– Hupstadt der Welt – ZDF, 22 Uhr 15, weitere Teile am 27. Juli und 3. August. Drei Städte auf drei Kontinenten, das bedeutet drei Kulturkreise und drei distinguierte ZDF-Korrespondenten, die bei der Pressepräsentation in Hamburg auch der Frage nachgingen, wer denn nun bei seiner Reportage den schwierigsten Job gehabt habe. Uwe Kröger mit New York, weil es über diese Stadt schon unendlich viele Filme, Fotos und Bücher gibt? Oder Dietmar Ossenberg, weil er einen Großteil seiner Kairo- Szenen heimlich drehen musste? Oder Joachim Holtz, weil Schanghai ein einziger Plan für die Zukunft ist und sich das nun mal schlecht abbilden lässt? Allen drei gemeinsam ist, dass sie es mit so genannten Megacitys zu tun hatten, das heißt mit Städten mit mehr als zehn Millionen Einwohnern.

In dem Film über New York zeigt Uwe Kröger vor allem Menschen, die es geschafft haben. Zum Beispiel Michael Shwo, der als 22-Jähriger aus Israel nach New York kam, mit 3000 Dollar in der Tasche und heute als Immobilienmakler in Manhattan Apartments für 20 Millionen Dollar verkauft. Ein äußerst unangenehmer Typ, der früh um sechs im Fitnessstudio antritt und sich abends im Luxusrestaurant ein israelisches 9-Gänge-Menü servieren lässt. Begleitet wird das Ganze mit mal hektischer, mal bombastischer Musik und der atemlos antreibenden Stimme von Uwe Kröger, der im feinen Anzug gerne mit im Bild ist, wenn schöne Galeristinnen, Börsenmakler oder Stararchitekten gezeigt werden.

Da New York aus Gegensätzen besteht, lässt der junge Hip-Hopper, der es dank seiner Tanzlehrerin geschafft hat, sich von einer Straßengang loszusagen, nicht lange auf sich warten. Dann wird noch kurz die muslimische Welt, das Nachtleben und die Medienszene der Stadt skizziert und fertig ist ein rasanter, bunter Bilderbogen, den man so oder so ähnlich schon oft gesehen hat. „Man muss nicht erst hinfahren, um dort gewesen zu sein: Fast jeder bringt sein eigenes New York im Kopf mit“, sagt Kröger. Leider vermittelt seine Reportage genau das Gefühl: die Bilder, die jeder von uns über diese Stadt im Kopf hat, noch einmal im Schnelldurchlauf zu sehen. Etwas anders ist das bei dem Porträt über Kairo von Dietmar Ossenberg und Luc Walpot. Und auch in dem Film über Schanghai beschwört Joachim Holtz die Gegensätze zwischen Reich und Arm.

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