Medien : Krachen lassen

Europas größte Kulisse: In Aldenhoven gibt es eine Autobahn für Film und TV

Thomas Gehringer

Peng, bum, krach – das ist, grob gesagt, das Geschäft von Action-Spezialist Hermann Joha. Sein Erfolg lässt sich nicht nur in Marktanteilen, sondern auch in Autowracks beziffern. Allein für die RTL-Polizeiserie „Alarm für Cobra 11“ wurden seit 1996 rund 750 Fahrzeuge zu Schrott gefahren. Gestern kamen wieder zwei hinzu: Ausgelöst durch eine wilde Verfolgungsjagd auf der Autobahn, musste der Fahrer seinen Transporter zur Seite ziehen und prallte in einen Tanklastzug.

Das Drehbuch verlangte „eine riesige Explosion“, bei der weitere Wagen durchs Feuer geschleudert wurden. Gedreht wurde erstmals auf einem vierspurigen, ein Kilometer langen Asphaltstreifen, der in der Nähe von Aachen eigens für Filmzwecke gebaut wurde. Es ist, behauptet RTL, „Europas größte Filmkulisse“. Andere Männer spielen mit der Modelleisenbahn, Hermann Joha eben mit einer eigenen Autobahn. Das hat wirtschaftliche Gründe: Früher wurden solch spektakuläre Szenen auf gesperrten Autobahnabschnitten gedreht, die Johas Firma Action Concept („Der Clown“, „Wilde Engel“) anmieten musste. Das kostete pro Wochenende bis zu 100 000 Euro. Es gab strenge Auflagen und einen starren Zeitrahmen, der bei schlechtem Wetter schnell gesprengt wurde. „Wir haben früher scherzhaft gesagt: Irgendwann bauen wir noch eine Autobahn“, sagt Joha.

In diesem Jahr schließlich war es soweit, weil die Gemeinde Aldenhoven im Kreis Düren für das Gelände einer ehemaligen Steinkohlegrube Nutzer suchte. Für 2,7 Millionen Euro pachtete die neu gegründete Firma Film + Test Location (FTL) GmbH einen Teil des kargen Brachlands und baute die Autobahn-Kulisse inklusive Parkplatz, Nothaltebuchten, einer Betonleitwand in der Mitte und – streckenweise – einem Lärmschutzwall. Geschäftsführer und alleiniger Gesellschafter von FTL ist Volkmar Balensiefer, der zugleich Marketingleiter bei Johas Firma Action Concept ist. Rentiert sich so etwas? „Die nächsten fünf bis acht Jahre sollte die Strecke ausgelastet sein“, erklärt Joha. Allein mit den „Cobra 11“-Serien – zurzeit laufen die Folgen mit „Team 2“ – wird das nicht gehen. Doch der 45-jährige ehemalige Stuntman, Autoartist und Helikopterpilot gibt sich optimistisch. „Auf den internationalen Filmmärkten geht nichts so gut wie Action“, behauptet er. Im Fernsehen, räumt er ein, sei der Hype lange nicht mehr so groß wie Ende der neunziger Jahre. Der Klassiker „Alarm für Cobra 11“ schaffte im Herbst immer noch zufriedenstellende 22 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-jährigen Zuschauern.

Was vorhanden ist, muss auch genutzt werden: Das eigene Stück Autobahn wird deshalb wohl zu noch mehr Spektakel und Schrott führen. „Hier kannst du ganz andere Stunts drehen, bei höheren Geschwindigkeiten und größeren Explosionen“, sagt Joha. Im Februar produziert er hier einen Fernsehfilm mit dem Titel „Desperate Heroes“; auch Kinoprojekte sind geplant und neue Fernsehserien „im Emergency-Bereich“, in denen Notärzte oder Pannenhelfer im Mittelpunkt stehen. Soll ein Film im Ausland spielen, werden Markierungen und Schilder ausgetauscht. Auch seien lange Bildeinstellungen und Dialoge bei fließendem Gegenverkehr und vor wechselnden Landschaften möglich. Und vielleicht auch mal „eine schöne Liebesszene“. Es muss nicht immer peng, bum, krach sein.

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