Medien : Krieg in Echtzeit

Albrecht Meier

Es ist der 31. März 2004. In der Stadt Falludschah nordwestlich von Bagdad töten aufgebrachte Iraker vier Männer, die für das US-Sicherheitsunternehmen „Blackwater“ arbeiten. Der Mob hängt zwei der Leichen auf einer Brücke über den Euphrat auf. Wenige Stunden später sind die Bilder von der Bluttat zu sehen – auf CNN, bei BBC World und im Internet. Sie bleiben nicht ohne Wirkung. Einen Monat später beginnen die US-Truppen mit dem Abzug aus der Widerstands-Hochburg Falludschah.

Weil die Bilder im Krieg immer wichtiger werden, geraten auch die Medienvertreter immer öfter in die Schusslinie. „Haben wir jetzt eine militärische Bedeutung?“, fragte Nik Gowing, Anchorman bei BBC World, bei seinem Vortrag über „Echtzeit-Medien“ am Mittwochabend in Berlin. Aus Gowings Sicht besteht diese Gefahr umso mehr, als moderne Technik auch immer mehr Instant-Kriegsbilder ermöglicht: Wer eine Digitalkamera hat, kann Aufnahmen aus Krisengebieten und Kriegen theoretisch sofort verbreiten. Und damit auch zum Ziel werden: Im vergangenen Jahr starben 42 Journalisten bei der Ausübung ihres Berufs.

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