Krimi : Der Maulwurf

Senta Berger wühlt sich als TV-Kommissarin durch den Polizeiapparat

Thilo Wydra

Überall sind Kameras. Und Bildschirme. Und Computer. Und digitale Zahlenkolonnen. Sie registrieren alles und alle. „Big Brother is watching you“, hieß es in George Orwells „1984“. Und in diesen kalten Wintertagen in München, in denen es auch Kriminalrätin Dr. Eva Prohacek (Senta Berger) nicht gut geht, da scheint Big Brother allenthalben präsent. Immer wieder zeigt die Kamera (Bernd Fischer), wie der Mensch beobachtet, verfolgt und registriert wird. Immer wieder zeigen die Bilder dieses Fernsehfilms, wo überall Kameras installiert sind, die, wenn sich in gewissen Räumen, Foyers und Gängen jemand bewegt, hinterher schwenken und heranzoomen. Nichts und niemand bleibt unbeobachtet. Der gläserne Mensch. Alles wird abgespeichert. Das ist das Thema dieses 14. Films aus der Reihe „Unter Verdacht“ um die sympathische Münchner Kriminalrätin Prohacek.

Ein modernes, aktuelles Thema, eines, das von der sozialen Kälte erzählt, die überall zuzunehmen scheint. Und so inszeniert Regisseur Florian Kern nach einem Drehbuch von Michael Gantenberg und Hartmut Block diesen Fall auch bewusst in äußerst kühlen Bildern, die entfärbt wirken und steril. Der Film und seine Bilder machen einen frösteln.

Zumal, das Thema der omnipräsenten Überwachung geht einher mit jenem zweiten Thema: Misstrauen. Zunächst dreht sich dieser Krimi um die häufenden und immer härter werdenden Überfälle auf Autobahnraststätten im Umkreis von München. Die Leute reagieren mit Unsicherheit, die Polizei tappt im Dunkeln. Eine offenbar osteuropäische Bande schlägt immer dann zu, wenn Menschen sich um ihr Auto herum aufhalten, wenn es sie völlig unvorbereitet trifft. Zuletzt fiel ein Mann ins Koma. Dessen kleiner Sohn hat den Überfall mitbekommen. Seither liegt der Mann auf der Intensivstation. Die extra eingerichtete Sonderkommission übernimmt ausgerechnet Eva Prohaceks Vorgesetzter, der gute Herr Dr. Claus Reiter (Gerd Anthoff).

Es ist seltsam: Die Polizei ist nachts an Raststätten präsent, aber stets nur wenige Kilometer von jenen entfernt, wo wieder erneut überfallen wird. Die Polizei verpasst die Überfälle immer. Es ist, als wisse jemand von der Osteuropa-Bande, und wo und wie die Polizei ihre Einsätze plant. Als Eva Prohacek und ihr Assistent Langner (Rudolf Krause) sich klar darüber werden, dass der Mann in den eigenen Reihen sitzen muss, vermuten sie, dass es ja nicht schon wieder ihr geschmeidig-windiger Chef sein könne, der sich allenthalben profiliert und intrigiert. Nein, nicht wieder der Dr. Reiter, der bei den Herren Staatssekretären so sehr buckelt und dienert und bei Prohacek und Langner tritt. Doch wer ist es dann: der Maulwurf, der perfide die eigenen Leute verrät?

Wie stets in dieser eher unaufgeregten Reihe mit der wunderbar unprätentiösen Senta Berger, geschieht wenig im Außen, und viel im Innen. Bei alledem begleitet Prohacek diesmal die Angst vor dem Ergebnis einer Untersuchung, auf das sie eine quälend lange Woche warten muss. Die Diagnose könnte auf Krebs lauten, meint der Arzt. Da geht sie dann allein den langen, leeren Flur der Klinik entlang, und wird, wie so oft bei „Unter Verdacht“, von niemandem gehalten.

„Unter Verdacht – Tausend Augen“, Arte, 21 Uhr

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