Krimi : Der "Profi“ ist zurück – Martin Shaw als sanfter Polizist George Gently

Der dreiteilige Anzug war 1964 für alle Ermittler Pflicht – an offene Hemden und braune Lederjacken war nicht zu denken. Aus England kommt eine neue Krimi-Reihe im Retro-Look.

Kurt Sagatz
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Martin Shaw als Kommissar George Gently.Foto: ZDF

Eine gewisse Ähnlichkeit ist da, im Blick, in den Wangenknochen, um die Mundwinkel. Doch wer den britischen Schauspieler Martin Shaw am Sonntagabend im ZDF als gealterten Kriminalkommissar George Gently erlebt, braucht etwas länger, um den 30 Jahre jüngeren Haudrauf Ray Doyle aus der 80er-Kultserie „Die Profis“ zu erkennen. Der graue Kurzhaarschnitt passt so gar nicht zum vollen Lockenkopf von einst.

Dafür gibt es einen triftigen Grund. Die Romane von Alan Hunter, auf denen die BBC-Fernsehfilme basieren (im ZDF an diesem und den nächsten beiden Sonntagen zu sehen), spielen zwanzig Jahre vor den „Profis“. Der dreiteilige Anzug war 1964 für alle Ermittler Pflicht – an offene Hemden und braune Lederjacken war nicht zu denken. Dafür gab es strenge Hierarchien, Mördern drohte die Todesstrafe und in Teilen der britischen Gesellschaft glaubte man, Homosexualität sei durch Elektroschocks heilbar, immerhin gab es dafür Rock ’n’ Roll und Mini-Röcke.

In Großbritannien ist Martin Shaw als ebenso erfolgreicher wie vielseitiger Schauspieler in TV, Film und Theater bekannt. Die Serienrolle als „Profi“-Draufgänger war für ihn zuletzt eher eine Belastung. Nach vier Staffeln lehnte er weitere Fortsetzungen – „ich bin ein ernsthafter Schauspieler“ – ab. Sein Widerwille gegen die Rolle des gewalttätigen Ermittlers machte ihn nun zur idealen Besetzung für die Rolle des unbestechlichen Scotland-Yard-Beamten. George Gently gibt nicht auf, gegen die Korruption in den eigenen Reihen vorzugehen, gegen Willkür im Amt, Geständnisse unter Folter und gefälschte Beweise. Seit langem weiß er, dass es einige Kollegen mit dem Amtseid nicht so genau nehmen. Die Beileidsbekundung des Commissioners nach dem Tod von Gentlys Frau lässt ihn darum kalt. Der Ganove Joe Webster, gegen den Gently ermittelt, hatte den Mord an ihr in Auftrag gegeben. Als Gently erfährt, dass Webster zur Beerdigung eines jungen Rockers nach Northumberland gefahren ist, verschiebt er seinen Pensionsantrag für einen letzten Fall in der Provinz.

Dort wird er unterstützt vom jungen John Bacchus (Lee Ingleby), einem extrem ehrgeizigen, aber dennoch sympathischen Hitzkopf, der von einer Karriere bei Scotland Yard träumt. Für Gently wird es somit zur Daueraufgabe, Bacchus auf Normalmaß zurechtzustutzen. Was wiederum an Shaws Zeit als „Profi“ Doyle erinnert, wie er selbst immer wieder von seinem unvergleichlich korrekten Chef (George Cowley) in die Schranken gewiesen wurde – langweilig wurde es trotzdem nie, weder bei den Profis noch bei George Gently. Kurt Sagatz

„George Gently – Der Unbestechliche: Kalte Rache“, Sonntag, ZDF, 22 Uhr

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