Medien : Krimi-Doku: Gab es eine Päpstin?

Dorothee Schmidt

Feierlich schreitet der Papst in einer Prozession durch Rom. Plötzlich hält er sich mit schmerzverzerrtem Gesicht den Bauch, bricht zusammen – und bekommt ein Kind. Mit diesen Bildern beginnt heute das Galileo Spezial „Päpstin Johanna – Mythos oder Wahrheit?“ Im Jahr 855 soll sich die Szene abgespielt haben, Papst Johannes VIII. durch die Geburt eines Kindes als Frau enttarnt worden sein. Das Wissensmagazin Galileo macht aus dem kirchengeschichtlichen Mythos den „Fall Johanna“. Moderator Aiman Abdallah sucht im Stil einer Kriminalgeschichte – mit hochgestelltem Trenchcoatkragen – nach Indizien für die Existenz der Päpstin.

Die Dokumentation präsentiert Kirchengeschichte privatfernsehgerecht in einer durchgestylten Erzählform. Dazu gehört, dass die Musik nicht nur aus Mönchsgesängen besteht, sondern auch aus Rock und Pop. Die Bilder sind edel, der Schnitt effektvoll. Moderator Aiman Abdallah, das beliebte Gesicht von Galileo, ist stark in Szene gesetzt. Die Experten, die in Dokumentationen gerne vor das Bücherregal gesetzt werden, bilden ein Ermittlerteam. Kriminalbiologe Marc Benecke und der Historiker Peter Stanford spielen Dialoge nach Drehbuch, statt Fakten zu berichten. In einem Kellergewölbe ist ihre hochtechnisierte Forschungszentrale aufgebaut. Die Computer wirken wie eine James-Bond-Kulisse. Sätze wie „Der Papst wird zu einer Sünderin“ muten einen Tick zu plakativ an. Schlüsselbilder werden immer wieder gezeigt: der Zusammenbruch der Päpstin auf offener Straße, eine Liebesszene mit einem Mönch, wie sie sich die Brüste abbindet, um wie ein Mann auszusehen.

Trotzdem wirkt das „Galileo Spezial“ nicht unwissenschaftlich. Drei Jahre Recherche haben spannende Kronzeugen für die Existenz eines weiblichen Papstes hervorgebracht: Luther und den Reformer Jan Hus zum Beispiel. Und einen Stuhl, auf dem neu gewählte Päpste sich im Mittelalter einem Geschlechtstest unterziehen mussten. Die Folge einer Päpstin? Der Vatikan schweigt. Schritt für Schritt geht Aiman Abdallah mit dem Zuschauer auf Entdeckungstour. Das ist spannend und kurzweilig. Am Ende scheut er sich nicht, ehrlich mit der Faktenlage umzugehen: endgültige Beweise für Johanna fehlen.

„Päpstin Johanna – Mythos oder Wahrheit?“, Pro 7, 22 Uhr 30

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