Krimi : Elite unter Verdacht

Senta Berger ermittelt als Eva Prohacek im Internat - dabei gerät ihr eigener Vorgesetzter unter Verdacht-

Barbara Sichtermann
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Eva Prohacek (Senta Berger) sucht den Täter. -Foto: Arte

Das Gesetz der Serie heißt Wiedererkennbarkeit plus Abwechslung. Es ist nicht immer leicht einzuhalten. Einerseits sollen die Charaktere sich treu bleiben, andererseits aber veränderbar sein. Der Zuschauer ist anspruchsvoll. Er will beides: das Altbekannte und das Unerwartete. In dieser Zwickmühle stecken insbesondere Film-Reihen wie „Unter Verdacht“, die in größeren Abständen laufen, so dass die Erwartung der Zuschauer von einem Überhang in Richtung Altvertrautheit belastet wird. Wie vermeidet man da als Macher die Schrecken des Überdrusses?

Die neue Folge geht sehr forsch an die Lösung dieses Problems heran. Claus Reiter (Gerd Anthoff), Vorgesetzter der Heldin Eva-Maria Prohacek (Senta Berger) und allen Freunden von „Unter Verdacht“ vertraut als Ekel und Lügenbold, sitzt mit gesenktem Kopf im Verhörraum, zuerst verstockt, später auskunftsbereit: Ja, er gibt die versuchte Tötung eines Jungen zu und ist drauf und dran, ins Gefängnis zu gehen. So kennt man ihn gar nicht, diesen Vorteilsnehmer, man reibt sich die Augen. Spielt er Theater, der Doktor Reiter? Deckt er jemanden? Fragen über Fragen, die der Film nach und nach, unter Aufrechterhaltung eines schönen Spannungsbogens (Buch: Bettine von Borries), beantwortet. Und man lernt hinzu, was Reiter betrifft. Der besteht eben doch nicht nur aus Infamie.

Die Ermittlungen führen Eva Prohacek in das Eliteinternat Mariaheil auf einer Chiemseeinsel, wo sie auf einen geschlossenen Zirkel trifft, der das Denken in Termini von „Wir sind was Besseres“ mit der Bereitschaft vereint, strenges Stillschweigen über alles zu bewahren, was missverstanden werden oder dem Ruf des Institutes schaden könnte. Geschickt destilliert die Regie von Achim von Borries eine Stimmung des Mysteriums und der Bedrohung einfach aus der steifen Arroganz des Lehrerkollegiums. Eva versucht, sich ein Bild zu machen. Es gelingt ihr nicht. Sie mag sich aber mit der Selbstbezichtigung Reiters nicht abfinden – da ist doch was faul. Während Assistent André Langner (Rudolf Krause) förmlich aufblüht in dem Bewusstsein, dass sein alter Erzgegner Dreck am Stecken hat und es auch noch zugibt, schüttelt Prohacek zweifelnd den Kopf. Immerhin: der Schuss, der den Schüler Hans traf, wurde aus Reiters Dienstpistole abgefeuert, so viel steht fest. Das ist auch der Grund, warum die Aufklärung der Tat in die Zuständigkeit Prohaceks, der internen Ermittlerin, fällt.

Die Lösung liegt wieder mal in jener Grauzone aus Spezelnwirtschaft und Amigopolitik, in der sich Reiter so sicher bewegt und in die Ermittlerin Prohacek immer wieder hineinzuleuchten versucht.Klar, dass es in Mariaheil einen elitären Club Ehemaliger gibt, deren Kinder wieder auf das Internat gehen. Reiter bleibt der Serie außerhalb von Knastmauern erhalten, so viel darf verraten werden. Und Eva? Sie wird befördert, man denke. Ob sie die alte bleibt? Anzunehmen. Sagt sie doch, als von oben die Aufforderung an sie ergeht: „Ich rate Ihnen, Frau Prohacek, lassen Sie die Akte zu“, mit der üblichen Bestimmtheit: „Den Teufel wird ich tun.Barbara Sichtermann

„Unter Verdacht - Der schmale Grat", Freitag, Arte, 21 Uhr

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