Medien : Krimi, Kleist & Kuba

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Tom Peuckert verrät,

was Sie nicht verpassen sollten

Wer erinnert sich noch an Gunter von Hagens? Ein Mann, der Joseph Beuys außerordentlich ähnlich sah und wie dieser stets einen Filzhut trug. Inhaber eines Weltpatents zur Herstellung anatomischer Präparate. Ein fiebriger Volksaufklärer, halb Künstler, halb Scharlatan. Tout Berlin stand damals Schlange, um einen Blick auf von Hagens Plastinate zu werfen. Frische Leichen, die der Meister entwässert und mit Kunststoff gefüllt hatte. Man sah das Innere eines menschlichen Leibes, ein Baby im Bauch einer Frau, einen Mann, der seine Haut über dem Arm trug. Nun ist Gunter von Hagens selber tot. Ermordet in den Räumen seiner Ausstellung „Körperwelten“. Nein, nicht der echte Avantgardist des Schaugewerbes, sondern sein literarischer Doppelgänger. Die Hauptfigur in Wolfgang Zanders Kriminalhörspiel „Plastinat. Schön“. Der Tote trägt sinnfälligerweise den Namen Gunther von Tronje und steht auf dunkle Weise mit dem arbeitslosen Privatdetektiv Gass in Beziehung. Gass weiß nicht, wieso plötzlich alle Spuren eines Mordes zu ihm führen. Aber in ureigenstem Interesse muss er es schnell heraus bekommen. Ein spannender Trip in eine Halbwelt voll schöner Leichen (Deutschlandradio, 14. Oktober, 19 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

Wer den authentischen Thrill der Weltgeschichte bevorzugt, sei auf ein Hörspiel über die so genannte Kuba-Krise verwiesen. Vor genau vierzig Jahren schienen die USA und Russland eine historische Schrecksekunde lang fest entschlossen, mit Atomraketen aufeinander zu schießen. Vor Kuba und in Berlin produzierte man grimmige Drohgebärden, hinter den Kulissen wurde mit nervöser Arroganz verhandelt. „Der Fuchs und der Igel“ heißt das dreiteilige Hörspiel von Daniel Cil Brecher, das die „gefährlichsten Tage des 20. Jahrhunderts“ noch einmal gegenwärtig werden lässt. Während Kennedy im Weißen Haus eine Krisensitzung nach der anderen veranstaltet, träumt Chrustschow schon von der Weltherrschaft. Erinnerungen an eine Politik am Rande der Apokalypse (Deutschlandradio, Teil 1 am 18. Oktober, 19 Uhr 05).

Die Apokalypsen des Heinrich von Kleist waren privater Natur. Doch irgendwie schien auch der preußische Staat in das tragische Ende des Dichters verwickelt. Weil hier ein Exzentriker via Staatsräson zur Normalität gezwungen wurde. Der dramatische Knoten in Kleists Leben, den nur der Freitod lösen konnte, hat die Nachwelt stets zur Interpretation gereizt. Pünktlich zum 225. Geburtstag des Dichters sucht ein neues Feature nach den Ursachen für Kleists Scheitern: „Die Wahrheit ist, dass mir auf Erden nicht zu helfen war". Eine biografische Dokumentation von Wolfgang Rödel (Radio Kultur, 13. Oktober, 14 Uhr, UKW 92,4 MHz).

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