KRIMI : Lockruf 110

Jobkrise in der Branche oder attraktive Angebote? Ulrich Tukur und Christoph Waltz im "Tatort"

Joachim Huber/Sonja Pohlmann
Christoph Waltz
Christoph Waltz -Foto: dpa

Der eine gewann die Goldene Palme in Cannes, der andere wurde auf der Berlinale gefeiert: Christoph Waltz („Inglourious Basterds“) und Ulrich Tukur („John Rabe“) gehören zu den besten deutschen Schauspielern und werden für internationale Produktionen engagiert. Doch jetzt scheinen beide Stars plötzlich „Back to Basics“ zu wollen – und „Tatort“-Kommissare werden. Tukur hat bereits fest für die ARD-Krimireihe zugesagt, der Dreh für die Pilotfolge ist im Herbst angesetzt, auch Waltz interessiert sich angeblich für die Nachfolge des Frankfurter „Tatort“-Duos Andrea Sawatzki und Jörg Schüttauf.

Mangelt es an guten Angeboten, dass Stars wie Tukur und Waltz von der Leinwand zurück auf den Bildschirm wollen? Tatsächlich kämpft die Fernsehfilmbranche mit Problemen. Private Sender leiden darunter, dass Unternehmen wegen der Wirtschaftskrise weniger in Werbung investieren. Statt in Filmproduktionen steckten die Sender das Geld deshalb lieber in Formate wie beispielsweise „Wer wird Millionär?“ oder „Popstars“, die weniger kostenintensiv seien, aber die gleichen Werbeeinnahmen generieren und dadurch größere Umsätze bringen würden, heißt es in der Branche. Weil die öffentlich-rechtlichen Sender noch mit vergleichsweise hohen Budgets Filme produzierten, drängten sich Schauspieler um Rollen in deren Filmen und Serien.

Und je bekannter die Gesichter, desto höher die Quote, lautet die Rechnung von Sendern und Filmproduktionen. „Wenn das Budget knapper ist als sonst, wollen die Sender lieber nichts riskieren, in dem sie gegen den Strich besetzten“, sagte Paula Döring von der Agentur Barbarella, die unter anderem Schauspieler wie Matthias Brandt und Anna Thalbach vertritt.

Allerdings: der „Tatort“ hat im deutschen Fernsehen eine herausragende Stellung. Über sechs Millionen Zuschauer schalten den Krimi am Sonntagabend durchschnittlich ein. So viele Leute ins Kino zu locken, schaffte 2008 lediglich der erfolgreichste deutsche Film: Til Schweigers „Keinohrhasen“ mit 6,3 Millionen Zuschauern.

„Der ,Tatort’ ist für Schauspieler mit einem enormen Prestige verbunden“, sagte Paula Döring. „Abgesehen davon garantiert der ,Tatort’ mit zwei bis drei festen Drehs pro Jahr eine gewisse finanzielle Sicherheit“, sagt Döring.

Schauspieler wie Tukur werden in der Branche mit bis zu 5000 Euro pro Drehtag für eine „Tatort“-Folge taxiert, rund 20 Tage lang werde eine solche Produktion gedreht.

Hans Janke, der ehemalige Fernsehspielchef des ZDF, kann es sich gar nicht anders vorstellen, als dass ein Rollenangebot in einem Primetime-Krimi eine besondere „Attraktionsmischung“ darstellt. In der Regel lägen erstklassige Drehbücher vor, zugleich die Sender nur Regisseure aus der ersten Reihe wie Markus Imboden oder Max Färberböck aufbieten würden. Dem Publikum würde erstklassige Fernsehware angeboten, umgekehrt der Schauspieler in der Fahnderrolle seinen Marktwert steigern könnte. „Das Risiko eines solchen Engagements ist ganz gering“, sagte Janke dem Tagesspiegel. Joachim Huber/Sonja Pohlmann

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