Krimi mit Jubiläum : Bella Block berührt uns

Der 30. Fall: Eine besondere Krimireihe mit der besonderen Hauptdarstellerin Hannelore Hoger. Die Bella ist schwierig, die Fälle sind schwierig, Hoger aber sagt: Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar."

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Einmal, da sagt der von „Wallander“ Rolf Lassgård gespielte Gunnar Andersson im 29. „Bella Block“-Fall: „Wir haben alle unser schwarzes Zimmer, aber wir wollen da nicht rein, weil wir wissen, dass es furchtbar da drin ist.“ Ein schwarzes Zimmer, das ist der Raum des (Unter-)Bewusstseins, den man lieber nicht betritt, der ungute Erinnerungen birgt, Traumata der Vergangenheit. Genau darum geht es in vielen Fällen der Bella Block von Hannelore Hoger – um das Unbewusste, das den Menschen antreibt und ihn manches Mal zu Handlungen mit fatalen Folgen bringt. Ein anderes Mal meint Bella im Fall „Vorsehung“ zu ihrem Assistenten Jan Martensen: „Jedes Verbrechen hat eine Architektur, wir können sie nur nicht sehen, und das ist das Verhängnis - von uns und von denen, die es trifft.“ Sätze, die den Kern dessen erfassen, was in dieser ZDF-Kriminalreihe verhandelt wird, seit nunmehr 30 Episoden in inzwischen 18 Jahren.

1993 und dann 1995 wurden die ersten beiden wegbereitenden „Bella Block“-Filme gedreht, „Die Kommissarin“ und, bis heute mithin einer der besten, „Liebestod“. Die Ausstrahlung der allerersten „Bella Block“ war am 26. März 1994. Max Färberböck hat beide inszeniert, er gehört mit zu den filmischen Vätern der ursprünglich von Doris Gercke ersonnenen literarischen Figur. Rar sind sie, die neuen Fälle der „Bella Block“, mehr als zwei sendet das ZDF im Jahr nicht. Der Sender weiß darum, dass er hier ein Fernseh-Juwel hat, das es zu putzen gilt.

Das Format erlebte auch deswegen inhaltliche Veränderungen. Nach dem Weggang von Bellas beiden Assistenten kam Devid Striesow alias Jan Martensen neu dazu und verlieh der Sache zusätzlichen Charme. Das zuweilen augenzwinkernde Frotzeln zwischen Bella und Martensen sowie der Umgang des Assistenten mit den gewöhnungsbedürftigen Eigenheiten seiner nassforschen Vorgesetzten tat der Reihe gut. Auch verließ Simon Abendroth seine Bella und damit Schauspieler Rudolf Kowalski die Reihe. Der größte Einschnitt war zugleich der schwierigste: Bella kündigte im 27. Fall, „Am Ende des Schweigens“ (2009) ihren Dienst als Kommissarin. Es bleibt kein Stein mehr auf dem anderen: Abschiede und Aufbrüche sind es, die sie nun ausmachen. Hannelore Hoger sagt: „Bella geht freiwillig. Alles beruht auf Freiwilligkeit. Eine Krise hat ja, wie es so schön heißt, auch sein Gutes: einen Neuanfang.“

Der Neuanfang bringt es mit sich, dass die Figur der Bella Block neu positioniert werden muss. Auch wenn der Übergang hie und da ein wenig holprig verlaufen sein mag, Bella macht ihre Sache gut. „So ein Mensch geht ja weiter, ist in sich fortlaufend – wie ich auch. Im Kern bleibt man sich selbst, aber man verändert sich. Ich bin ja auch nicht mehr die gleiche Person wie vor 18 Jahren“, meint Hannelore Hoger. Vielleicht ist Bella Block jetzt bei sich angekommen!?

Der neueste Fall, der sehenswerte 30. Jubiläums-Film „Stich ins Herz“ – bei dem Drehbuch und Regie in den Händen von Stephan Wagner liegen –, zeigt eine Bella, die in sich ruht. Zum anderen eine, die tief betroffen ist wegen des persönlichen Schicksalsschlags, den ihre Freundin Margit Brettschneider (Maren Kroymann) erfährt: Bei einem Vortrag, den Margit an der Uni Hamburg über die Frage „Gibt es ein Mörder-Gen?“ hält, hört Bella zu. Eine junge Frau kommt zu spät in den Saal und setzt sich zu Bella. Es ist Caro (Annika Blendl), die Nichte von Margit. Bella kannte Caro noch als Kind. Jahre ist das her. Nun studiert Caro und jobbt parallel im „Fischfutter“, einem Imbiss. Anderntags besuchen Bella, Margit und Oberstaatsanwalt Mehlhorn (Hansjürgen Hürrig) eine Ausstellung und fahren hernach zum „Fischfutter“. Doch ringsherum ist Polizei, und als Bella sich mit Mehlhorn Zutritt in den Imbiss verschafft, da trifft sie der Schlag: Caro liegt hinter der Theke, erstochen. Das Messer wurde ihr ins Herz gerammt.

Der titelgebende „Stich ins Herz“ ist ein doppelter: Da ist einerseits der Messerstich in Caros Herz. Und da ist jener Stich, den Max Klöckners Frau Anja (herausragend: Anna Schudt) erlebt, als sie aus dem Auto heraus am Imbiss ihren Mann mit Caro stehen sieht, wie sie sich küssen. Caro hat mit Max (Sebastian Koch) eine Affäre, und es ist beiden ernst. Caro ist schwanger. Vollkommen aufgelöst fährt Anja tags darauf just auf Bellas schwarzen VW-Käfer auf. Beide Klöckners haben Alibis, so ermittelt Bella auf eigene Faust, um den Mörder von Caro zu finden.

Es geht bei „Bella Block“ immer um zumutbare Wahrheit und Wahrhaftigkeit. Auch in ihrer unprätentiösen Interpretation durch Hannelore Hoger: Präzise auf den Punkt, nuanciert und facettenreich ist ihr Spiel, wie sie die Zerrissenheit dieser Figur austariert, wie sie in ihrer liebenswert herben Schnoddrigkeit versucht, ihre Schwächen scheinbar lapidar wegzuwischen. „Man denkt immer, man verwebt mit so einer Rolle. Aber das ist nicht der Fall. Natürlich, ich betrachte das auch als ein Stückchen von mir, und sicher wird mir etwas fehlen, wenn wir einmal aufhören“, sagt Hannelore Hoger. Es ist, bei aller Schwere der Themen, stets ein Vergnügen, ihr zuzusehen.

Wie nun geht es mit der Erfolgsreihe um diese so gar nicht ruheständlerische Bella Block nach dem Jubiläum weiter? Die Hoger sagt, „ich blicke nicht zurück im Zorn. Ich sehe auf Bella mit einem angenehmen Blick zurück, mit Wohlwollen und guten Erinnerungen. Das ist eine Rolle, die sich mit den verschiedenen Regisseuren und Autoren entwickelt hat, und zwar dahin, wo sie jetzt ist. Bella entwirft keinen Plan, sondern versucht, mit dem Leben umzugehen. Sie lässt sich auf das Leben ein. Auf die Zukunft …“

„Bella Block – Stich ins Herz“, ZDF, um 20 Uhr 15

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