Krimi : Mord im Zeitungshaus

Beim Kölner „Tatort“ steht ein Verlag unter Druck. Ähnlichkeiten mit einem echten Verlagshaus sind zufällig.

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Diese Analyse ist nah dran: Als der Kölner Altverleger Ludwig Brinkmann (Hansjürgen Hürrig) erfährt, dass der gerade beim „Abendblatt“ agierende Unternehmensberater Carsten Moll ermordet wurde, will er von den „Tatort“-Kommissaren Ballauf (Klaus Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) wissen, ob denn nun eine Nachrichtensperre verhängt wird. „Ganz ausgeschlossen“, antwortet sein Geschäftsführer Lars Fraude (Johann von Bülow) für sie. „Früher oder später landet das ohnehin im Netz. Wir können nur besser und schneller sein.“ Zwar darf Ballauf darauf noch erwidern, dass jede Nachricht zuerst über seinen Schreibtisch zu laufen hat, dennoch zeigt der Wortwechsel, dass der „Tatort“ mit dem Titel „Unter Druck“ (Buch: Dagmar Gabler, Regie: Herwig Fischer) die Alltagswirklichkeit eines Zeitungsverlages zutreffend erfasst. Dass der Sonntagskrimi unter anderem im Verlag DuMont Schauberg („Kölner Stadtanzeiger“, „Express“) gedreht wurde, ist zwar naheliegend, doch jede Ähnlichkeit zwischen dem TV-Verleger und Alfred Neven DuMont bleibt Zufall – auch wenn der Vater-Sohn-Konflikt, der sich in der realen Verlegerfamilie zuletzt abgespielt hat, ebenfalls Züge eines Thrillers angenommen hatte.

Der Krimi, um den es am Sonntag geht, heißt Verlagsfusion. Um für den Wettbewerb gerüstet zu sein, will das Zeitungshaus mit einem britischen Medienunternehmen zusammengehen, ein zehnprozentiger Arbeitsplatzabbau inbegriffen. Eine „Fit for Fusion“-Liste mit den „im Bedarfsfall freizusetzenden Betriebsmitteln“ hat der anpassungsfähige Personalchef Raimund Kahn (Felix Vörtler) bereits erstellen lassen. Was die Belegschaft davon hält, ist klar. Für den Leiter der Verlagsdruckerei Manfred Peters (Volker Weidlich) war der ermordete Berater ein „überhebliches Arschloch“ und kein kreativer Lösungsfinder und Winner-Typ, wie ihn seine taffe Consulting-Teamleiterin Rita Langmann (Claudia Michelsen) charakterisiert. Der Tote, das stellt sich bei den Ermittlungen schnell heraus, war zu Lebzeiten in jeder Hinsicht bemerkenswert. Zumeist im negativen Sinn. Das erweitert den Kreis der potenziellen Täter noch weiter, zumal der Druck, der auf den Consultern lastet, erheblich ist. Entweder man steigt auf oder ist raus – oder eben tot.

Der andere, reale Zeitungskrimi in Köln wird offenbar am nächsten Dienstag fortgesetzt. Anstelle von Consultern kommen dann dem Vernehmen nach die Anwälte zum Einsatz. Sie sollen die Aufhebung des Vertrages von Verlegersohn Konstantin Neven DuMont als Vorstand und Herausgeber zu Ende bringen. Kurt Sagatz

„Tatort: Unter Druck“, ARD, 20 Uhr 15

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