Krimi : Von der Rolle

Im ARD-Mittwochsfilm "Sieben Tage" spielt Claudia Michelsen eine Ehefrau, die aus der Bahn geworfen wird - ein spannendes Beziehungsdrama.

Markus Ehrenberg
Michelsen
Adé, heile Welt. Marlies Fischer (Claudia Michelsen) sucht nach ihrer verschwundenen Tochter. -Foto: HR

Ein Albtraum vieler Eltern: Die 15-jährigen Tochter verschwindet spurlos mit einer Freundin, nach einem heftigen Streit mit der Mutter. Ist das Mädchen weggelaufen? Oder einem Verbrechen zum Opfer gefallen? Was hat der Vater damit zu tun, dessen Verhalten im Zuge der Ermittlungen immer merkwürdiger wird? Was im Mittwochsfilm „Sieben Tage“ am Anfang (schon wieder) wie eine Krimi-Geschichte aussieht, entpuppt sich als Beziehungs-, als Psychodrama, bei der eine Ehe auf den Prüfstand gerät. Nach sieben Tagen Suche sieht der Blick auf die heile Welt der Familie ganz anders aus.

Die Geschichte zweier Menschen, die sich auseinandergelebt haben, ohne dass sie es mitbekamen. Mittendrin: Claudia Michelsen als verzweifelte Mutter. Ob das Stasi-Drama „Zwölf heißt: Ich liebe dich“, die stille Liebesgeschichte „Maria an Callas“ oder der „Tatort: Mutterliebe“ – Filme mit Claudia Michelsen haben eine bestimmte Qualität, die mehr ist als die Summe ihrer Teile, als Buch, Besetzung, Regie und Genre. Die 40-Jährige, ausgebildet an der Ernst-Busch-Schule, ist eine der besten Schauspielerinnen in Deutschland. Oft genügt ihr ein Augenaufschlag, ein Aufblicken, ein Zucken im Mundwinkel, um dem Alltäglichen, Gleichgültigen, Vorüberziehendem eine andere Bedeutung zu verleihen, in „Sieben Tage“ zum Beispiel in der Sekunde, als sich ihr stiller, kleiner Film-Mann (Samuel Finzi) als großer Betrüger entpuppt.

Es bleibt dabei, Michelsen-Produktionen und der Mittwochabend im Ersten enttäuschen selten, schon gar nicht via Hessischem Rundfunk. „Sieben Tage“ ist herausragendes Fernsehen (Buch: Edda Leesch). Regisseurin Petra K. Wagner nimmt Haus, Hof und Vorstadtgarten im Frankfurter Winter auch noch die letzte Wärme aus den Bildern. Die beiden beziehungsgeschädigten Ermittler (Sanne Schnapp und Uwe Bohm), die die Tochter des beziehungsgeschädigten Ehepaares suchen, sind darüber hinaus die ungewöhnlichsten Kommissare, die das Fernsehen in jüngster Zeit gesehen hat.

Apropos Kommissar. Das Drama fügt der Spezialität von Claudia Michelsen – bürgerliche, gut situierte Frauen, deren Welt plötzlich aus den Fugen gerät – zunächst eine weitere, unverwechselbare Michelsen-Figur hinzu. Vielleicht klappt es ja mit dem Deutschen Fernsehpreis, für den die Berliner Schauspielerin bei „Zwölf heißt: Ich liebe dich“ nominiert war. Ganz nebenbei spielt sich die Michelsen zusammen mit Samuel Finzi als schwieriges Paar schon mal auf die Krimiserie „Flemming“ ein, die nächste Woche im ZDF startet, quasi in Nachfolge des „letzten Zeugen“ mit Ulrich Mühe und Gesine Cukrowski. Große Vorfreude.

„Sieben Tage“, ARD, 20 Uhr 15

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