Medien : Kriminalist der Krise

Zehn Jahre und 25 Folgen: Wilsberg steht trotz aller Rückschläge für Hoffnung

Kurt Sagatz

Für den beim ZDF für die „Wilsberg“-Reihe zuständigen Redakteur Martin R. Neumann liegt der Reiz in der Rolle des kauzigen Privatdetektivs aus Münster darin, dass er „uns eindrucksvoll vor Augen führt, dass es trotz aller Rückschläge und Katastrophen auch immer Hoffnung und Perspektiven gibt. Georg Wilsberg (Leonard Lansink) ist als gescheiterter Anwalt und glückloser Nebenamts-Antiquar der erfolgreichste Versager des derzeitigen Fernsehens. Besser als das ZDF kann uns auch Bundespräsident Horst Köhler kaum auf kommende Widrigkeiten einstimmen. Für das Zweite ist Wilsberg, der sich den Samstagsplatz mit starken Krimifrauen wie Hannelore Hoger oder Iris Berben teilt, der „Typ von nebenan“. Damit ist er zugleich der Kriminalist der Krise, die in der Münsteraner Provinz angekommen ist. Zum Beispiel bei Bernhard Zeller, bei dem es nicht nur finanziell ums Überleben geht. Die beiden Typen, die ihn am Münsteraner Binnenhafen in die Mangel nehmen, lassen keinen Zweifel daran, dass er seine Schulden besser bezahlt.

Der aktuelle „Wilsberg“ ist ein dreifaches Jubiläum. Seit zehn Jahren darf sich das Presse- und Informationsamt der Stadt Münster über die kostenlose Fremdenverkehrswerbung für die westfälische Beamten- und Studentenstadt freuen. Im Frühjahr hatte die Stadt Leonard Lansink dafür mit der Silbernen Rathausmünze geehrt und auf der Homepage der Stadt wird brav jede neue Folge des bekanntesten Münsteraners angekündigt. In Kooperation mit dem ZDF ließ die Stadtverwaltung sogar ein „Wilsberg“-Computerspiel entwickeln. Lansink selbst stammt zwar nicht aus Münster, seine Geburtsstadt Hamm liegt jedoch gerade einmal 40 Regionalbahnminuten entfernt in direkter Nachbarschaft. Jährlich werden drei „Wilsberg“-Krimis gedreht, die neue Folge ist der 25. „Wilsberg“. Sie trägt das Jubiläum auch gleich im Namen, denn es geht um das 30-jährige Abi-Jubiläum, das stilvoll mit einem kostenlosen Wochenende im neueröffneten Schlosshotel von Schulkamerad Thomas gefeiert werden soll.

Nicht nur die Kulisse erinnert dabei an Agatha-Christie-Romane. Alte Klassenkameraden, die sich nach Jahren wiedersehen, um alte Lieben und noch ältere Feindschaften zu neuem Leben zu erwecken, passen ebenfalls in das Bild, in dem die Freunde und Feinde von einst einer nach dem anderen ermordet werden.

Trockener Humor, bei dem es sich anstelle des britischen auch um den westfälischen handeln kann, ist auch die Medizin, die Lansink der „Wilsberg“-Reihe verordnen würde. Auch nach 25 Folgen sei die Reihe noch lange nicht am Ende, meint der Schauspieler unlängst. Aber um die Zuschauer bei Laune und die Kollegen vom ARD-„Tatort“ aus Münster um Kommissar Thiel alias Axel Prahl und Gerichtsmediziner Boerne alias Jan Josef Liefers auf Distanz zu halten, sollten Wilsberg-Krimis „im Zweifel lieber spröde“ sein.

Davon ist in der Jubiläumsfolge wenig zu spüren. Schulfreund Bernhard (Uwe Rohde), der bereits vor dem Abitur kräftig gemobbt wurde, wird im Schlosshotel zuerst ausfällig und dann ermordet. Wilsberg findet die Leiche im Pool und alarmiert Kommissarin Springer (Rita Russek). Als sie eintrifft, ist die Leiche verschwunden, woraufhin sich die Kommissarin als Wilsbergs Frau im Hotel undercover einquatiert. Ganz zum Ärger von Wilsbergs Jugendliebe Franziska (Saskia Vester), die sich immer noch zu dem Privatdetektiv hingezogen fühlt. Dafür hat es zwischen dem überheblichen Hotelbesitzer Thomas (Peter Benedict) und der abgebrühten Ärztin Hannelore (Eva Kryll) gefunkt. Widerling Mario (Peter Sattmann) macht sich unterdessen an Kommissarin Springer heran, während Wilsbergs Freund Ekki (Oliver Korittke) mit der Hotelangestellten Ines (Julia-Maria Köhler) flirtet. Nur Alex (Ina Paule Klink) trägt diesmal Trauer, weil ihre erste Liebe verschieden ist.

Tatsächlich erinnert der Plot (Buch: Stefan Rogall) an einigen Stellen an eine Soap-Opera. Und tatsächlich braucht es einen weiteren Toten, um aus der Komödie wieder einen Krimi werden zu lassen, in dem die Suche nach dem Täter und dem Motiv im Mittelpunkt steht. Geld spielt dabei – ganz im Zeichen der Krise – eine wichtige Rolle. Doch wie im wahren Leben gibt es noch viel stärkere Beweggründe.

„Wilsberg: Jubiläum“, ZDF, 20 Uhr 15

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