Krisen-TV : Auf Augenhöhe mit London und New York

„Frontal 21“ beschreibt in der Dokumentation „Das Milliardenspiel“, wer unser Geld verzockt hat.

Kurt Sagatz

Banker reden nicht gerne über Geld, vor allem, wenn sie es verzockt haben. So geht es auch der jungen Investmentbankerin. In der „Frontal 21“-Dokumentation „Das Milliardenspiel – wer hat unser Geld verzockt?“, die am Dienstagabend vom ZDF ausgestrahlt wird, werden ihre Aussagen nachgesprochen, im Bild ist eine Schauspielerin zu sehen. Realer war der Luxus, der teure Schmuck und die schnellen Autos, mit denen sich die professionellen Zocker umgeben haben. „Ein großer Deal hatte schon etwas orgiastisches, das war schon ein sehr geiles Gefühl“, erklärt die anonyme Insiderin in den ersten Minuten des Films, der die größte Wirtschafts- und Finanzkrise seit den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts erklären will und dafür zu diversen Helikopterrundflügen über die Finanzmetropolen Frankfurt, London und New York einlädt.

„Uns ging es zudem darum zu zeigen, warum Deutschland so stark von der Krise betroffen ist, obwohl es in erster Linie eine Industrienation ist und weniger ein Finanzstandort“, sagt Reinhard Laska, der die Dokumentation zusammen mit Christian Rohde erstellt hat. Das verbindende Element heißt Gier. Eine ungezügelte Gier, die junge Investmentbanker genauso befallen hat wie gestandene Bankvorstände, die man in weltweit agierenden Großbanken genauso fand wie bei deutschen Provinzbanken. Gerade die Landesbanken konnten von den vermeintlich risikolosen Triple-A-Papieren oft nicht genug bekommen.

Die Politik hat sich instrumentalisieren lassen: Peer Steinbrück sorgte als NRW-Finanzminister dafür, dass die Garantien für die Landesbanken gegen den Protest aus Brüssel verlängert wurden. Als Bundesfinanzminister räumt er jetzt ein, die deutsche Politik sei wohl „zu lange devot und naiv gewesen“ beim Paradigma der Deregulierung. An den faulen Papieren – „ein Haufen Giftmüll“ – sind deutsche Banken und indirekt die Steuerzahler nun mit 300 Milliarden Euro beteiligt. Kurt Sagatz

„Das Milliardenspiel – wer hat unser Geld verzockt“, ZDF, 21 Uhr.

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