Kritik am TV-Programm : Banditen, Bälle, Biathlon

Die Film- und Fernsehproduzentin Regina Ziegler warnt vor zu viel Sport und Krimis im TV-Programm. Lieber würde sie ein anderes Genre sehen wollen.

Foto: ddp
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Wenn Regina Ziegler in diesen Tagen den Fernseher einschaltet, ist sie gar nicht glücklich über das, was sie zu sehen bekommt. „In den öffentlich-rechtlichen Programmen gibt es einfach zu viel Sport“, sagte die 66-Jährige Film- und Fernsehproduzentin in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa). „An den Wintertagen viel zu viel Wintersport, der Sonntag ist voller Schnee, abends zu viel Fußball. Für gute Fiction ist da kein Platz.“

Doch Ziegler ist nicht allein von Bällen und Biathlon genervt, auch Krimis werden nach ihrer Ansicht zu oft gezeigt. „Es gibt nirgends so viel Mord und Totschlag wie im deutschen Fernsehen“, sagte Ziegler. Das Fernsehen mache sich völlig zu mit täglichen und wöchentlichen Kriminalserien und mit ganzen Krimiabenden. Das emotionale Genre Melodram werde – außer in der ARD – spürbar vernachlässigt.

Der neuen Mittelalter-Euphorie mag Ziegler nur bedingt folgen. „Das Mittelalter hat mit unserem Dreiteiler ,Die geheime Inquisition‘ bereits 2002 im ZDF stattgefunden“, sagte sie. „Aber ich laufe da keinem Trend hinterher. Der ist im Fernsehen immer schon weg, wenn man ihn zu erwischen glaubt .“

Ihr opulenter Kinofilm „Henri 4“, der im vergangenen Jahr in die Kinos kam, droht jedoch zu einem finanziellen Rückschlag zu werden. „Kino ist und bleibt ein Risiko“, sagte Ziegler. „Für den Film habe ich ein Jahr auf mein Geschäftsführergehalt verzichtet und meine Lebensversicherung eingezahlt. Aber noch ist nicht aller Tage Abend. Mit ,Henri 4‘ habe ich noch viel vor“, sagte Ziegler. In New York sei das Screening des Films im Museum of Modern Art (MoMA) „umjubelt“, ein Verleih inzwischen gefunden worden, sagte die Produzentin: „ Der Film wird als DVD verkauft und ausgeliehen. Im Ausland wurde er viel beachtet. Die ARD wird ihn als Zweiteiler wohl Ende 2011 zeigen. Ich lache gerne zuletzt – aus den bekannten Gründen.“sop/dpa

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