Medien : Kritik an Ulrich Wickert: Mehrdeutig

Joachim Huber

"Tagesthemen"-Moderator Ulrich Wickert hat sich scharfe Kritik aus der CDU eingehandelt mit einem Beitrag für die Illustrierte "Max", der sich George Bush und Osama bin Laden beschäftigt. Wickert zitiert zunächst die indische Schriftstellerin Arundhati Roy mit den Worten: "Osama bin Laden ist das amerikanische Familiengeheimnis, der dunkle Doppelgänger des amerikanischen Präsidenten." Diesem Satz fügt Wickert folgende Interpretation an: "Bush ist kein Mörder und Terrorist. Aber die Denkstrukturen sind die gleichen." Der CDU-Abgeordnete Friedbert Pflüger hat Wickert nach Bekanntwerden des Beitrags am Donnerstag aufgerufen, sich sofort zu entschuldigen. "Wenn er das nicht tut, hat er auf dem Bildschirm nichts zu suchen", sagte Pflüger der "Bild"-Zeitung. CDU-Chefin Angela Merkel sagte dem Blatt, sollten die Äußerungen Wickerts zutreffen, dann sei dieser als Nachrichtenmoderator im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nicht mehr tragbar. Auf diese Kritik reagierte Wickert am Donnerstagabend: "Der Präsident der Vereinigten Staaten ist nicht vergleichbar mit dem Terroristen Osama bin Laden." In einer weiteren Erklärung am späten Donnerstagabend äußerte Wickert, der Satz von Roy sei ungeheuerlich, doch da ihn die wichtigste Autorin Indiens schreibe, habe er sich überlegt, was sie damit meinen könnte. Seine Formulierung sei aber offenbar missverständlich und misslungen. "Dafür entschuldige ich mich, und ich nehme sie mit Bedauern zurück", erklärte Wickert.

In seinem "Max"-Artikel wirft Wickert dem US-Präsidenten und Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi auch vor, gleichermaßen "intolerant" zu sein. Berlusconi hatte im Vergleich zum Islam von der "Überlegenheit" der westlichen Welt gesprochen. Davon hätten sich die europäischen Staats- und Regierungschefs nicht ausreichend distanziert, beklagt Wickert. Nach Ansicht des Moderators hat der Westen die "tiefere Ursache für die Terroranschläge, die von Intellektuellen und nicht von Unterprivilegierten begangen wurden, anscheinend noch nicht verstanden".

Italiens Regierungschef hat den Islam unterdessen als große Religion bezeichnet. Berlusconis Büro teilte mit, der Ministerpräsident habe moslemischen Diplomaten gegenüber seinen tiefen Respekt für den Islam zum Ausdruck gebracht. Der Islam predige laut Berlusconi Toleranz, den Respekt der Menschenrechte und ein friedliches Zusammenleben der Völker.

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