Kritik : Illner verblüfft im "heute-journal"

Matthias Kalle über die Premiere von Maybrit Illner als Moderatorin des "heute-journals" im ZDF.

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Illner im "heute-journal". Foto: dpa
Illner im "heute-journal".Foto: dpa

Das Erste, was der Zuschauer sieht, ist, dass sich Maybrit Illner mit Gundula Gause unterhält, es scheint locker, entspannt, und in diesem Moment denkt man, dass Gundula Gauses Job vielleicht vor allem darin besteht, die Moderatoren des „heute-journals“ zu beruhigen, sie locker zu machen für die Aufgabe, durch das ZDF-Nachrichtenmagazin zu führen.

Und eigentlich müsste das im Fall von Illner nicht nötig sein, obwohl es am Samstag ihr erstes „heute-journal“ war, sie ersetzt Steffen Seibert, der in Berlin Regierungssprecher wurde und der sonst moderierte, wenn Marietta Slomka oder Claus Kleber nicht konnten. Somit ist Illner streng genommen der Ersatz vom Ersatz, aber natürlich ist Illner auch jemand, der im ZDF eine Talkshow mit seinem Namen hat; über diese Talkshow kann man ganz wenig Gutes schreiben und ganz viel Böses, aber darum geht es diesmal ja nicht. Es geht darum, wie Maybrit Illner das „heute-journal“ moderiert, und in den ersten Minuten ist man sofort verblüfft: Es geht, natürlich, zunächst um Thilo Sarrazin. Wie Illner dieses Thema anmoderiert, erinnert ein klein wenig an die Art des großen Wolf von Lojewski, über zehn Jahre lang Chef und Moderator des „heute-journals“ war. Wenn der Zuschauer ihn sah, dann sah der Zuschauer auch die Melancholie, die der Mann spürte wegen des Zustands der Welt. Einer, der eher seufzte als lächelte, weil es im Leben eben mehr zum Seufzen als zum Lächeln gab. Und genau in dieser Tradition bewegt sich Maybrit Illner in den ersten Minuten: sachlich, ohne Mätzchen, ein wenig verzweifelt über das, was alles möglich ist.

Leider ist auch bei Illner vieles möglich, man merkte das bei ihrer zweiten Moderation, in der es um das Treffen zwischen Angela Merkel, ihrem Umweltminister Norbert Röttgen und dem Wirtschaftsminister Rainer Brüderle geht, wo es also um die Laufzeit von Atomkraftwerken gehen soll. Ein Treffen mit „Strahlkraft“ sei das, sagt Illner, es ginge dabei auch um die persönliche „Restlaufzeit“ von Norbert Röttgen. Abgesehen davon, dass das nicht witzig ist, versteht kein Mensch, warum bei diesem Thema Witze gemacht werden dürfen, bei Sarrazin hingegen nicht. Weil Illner der Ironie, die sie stimmlich einsetzt, völlig zu Recht nicht traut, macht sie dann auch noch allen Ernstes mit den Fingern die Geste, die ein Anführungszeichen symbolisieren soll, als sie sagt, Röttgen sei „nur“ Umweltminister. Ironie verstanden? Nee? Warum auch.

Nachrichten im Fernsehen müssen nicht ironisch sein. Ironie funktioniert im Fernsehen ähnlich schlecht wie in allen anderen Medien auch, was daran liegt, dass die, die Ironie einsetzen, sie nicht beherrschen, und die, die diese Ironie erreichen soll, sie nicht verstehen. Das ist nicht schlimm, man sollte es deshalb halt nur endlich einmal sein lassen, und Maybrit Illner, das ist die Erkenntnis ihrer ersten heute-journal-Moderation, käme tatsächlich ohne aus.
Am Ende, nach einem weiteren gescheiterten Wortwitz, sieht man wieder, wie Gundula Gause, die ihre Sache wie immer sehr solide gemacht hat, etwas zu Maybrit Illner sagt. Vielleicht sagt Gause: „Ging doch.“ Und das wäre dann ja auch nicht mal gelogen.

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