Medien : Kritisch gesehen: Der Slomka-Sound

Michael Burucker

Heute-Journal. ZDF. Die stolze Hausmitteilung des ZDF, dass nun eine Frau das Nachrichten-Magazin präsentiert, klingt etwas verstaubt angesichts des stattlichen Moderatorinnen-Personals, das landauf, landab den Bildschirm beherrscht. Zwar spukt er noch als Ideal in den Köpfen, doch hat er längst ausgedient: der silberhaarige Opa mit dem Seriositätspolster eines Hanns Joachim Friedrichs, der uns in den Fährnissen einer unsicheren, von Katastrophen gebeutelten Welt ruhender Pol und rettender Anker-Mann ist.

Unter dem Primat des Verbrauchers und Users ist aber nun der Alarmist gefragt, der schneidig all unsere Befürchtungen formuliert, bevor wir sie überhaupt ahnen. Eine windschnittige, junge Dame wie Marietta Slomka, die den knorrigen, von Schweizer Eigensinn geprägten Alexander Niemetz beerbt, wird diese Aufgabe sicher bewältigen. Ihre jugendliche, ein wenig aseptische Professionalität liegt im Trend und schien Programm bei der Wahl gewesen zu sein. Denn bei der Suche nach weiblichem Ersatz für Niemetz wurde gezielt an Personal vorbeigefahndet, das wie etwa Maria von Welser oder Petra Gerster, selbst sturmerprobt und nicht nur forsche Folie für stürmische Meldungen ist.

Marietta Slomka und andere Hoffnungsträgerinnen wie zum Beispiel "Länderspiegel"-Kollegin Antje Pieper, deren Ansprache bislang noch fatal an ihre Herkunft, den Kinderfunk nämlich, erinnert, werden sich mit zunehmendem Alter Niemetzsche Ecken und Kanten sicher erarbeiten. Vorausgesetzt allerdings, ihr Sender lässt sie vor der Kamera altern.

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