Medien : Kritisch gesehen: Die Jauch-Festspiele

Michael Burucker

2000! Menschen, Bilder, Emotionen. RTL. Wurde einst über Genscher kolportiert, er begegne sich auf seinen vielen Reisen bisweilen selbst, ließe sich von Günter Jauch behaupten, er werde sich bei seinem Moderationsmarathon eines Tages selbst zu Gast haben. Vom frühen Abend bis nahezu Mitternacht moderierte Jauch zunächst sein Millionen-Quiz, ging fließend zum Jahresrückblick über und stellte dort gleich noch einen Rekord auf: Zusammen mit dem Sprössling seines ersten Millionen-Gewinners deklamierte er eine Ovid-Szene im Original. Lateinisch mit Untertiteln - das hat selbst Arte noch nicht geschafft.

Im RTL muss damit sein Kultursoll als erfüllt angesehen haben, denn im weiteren Verlauf überwogen als "Menschen 2000" Container-Insassen, Sportler und Titelblatt-Schönheiten. "Abwechslung ist ein Zeichen für intellektuelle Neugier", antwortete Jenny Elvers kryptisch auf Jauchs listige Frage nach dem Sinn des Lebens. Ein für intellektuelle Notsituationen durchaus brauchbarer Satz. Sich als Medienopfer zu stilisieren und gleichzeitig mit den anwesenden Boulevard-Fotografen zu kokettieren, wollte ebenso gekonnt sein wie bei Jauch die besorgte Schwangere zu spielen, während die "Bild"-Fotos aus dem Mutterleib gerade gedruckt wurden. Vom fernen Florida aus meldete sich Beinahe-Bundestrainer Daum und wand sich wie ein Politiker vor dem Untersuchungsausschuss. Und stets glänzte Jauch als Anwalt des Publikums. Seine verschmitzten, scheinbar harmlosen Fragen trafen punktgenau.

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