Medien : Kritisch gesehen: Die Polizistin und der Beau

Tom Peuckert

Stahlnetz: Innere Angelegenheiten. ARD. Die innere Welt ist klein und überschaubar: eine Polizeiwache in Hannover, eine Handvoll Beamter, Frauen und Männer. Aber ihre Angelegenheiten, von denen der Kriminalfilm erzählt, sind verworren und düster. Nicht nur sexuell geht es im Kollegenkreis drunter und drüber. Mit fataler Regelmäßigkeit geschehen Dinge, die eigentlich den Staatsanwalt beschäftigen müssten. Nach dem Selbstmord einer Kollegin werden Spuren manipuliert, die Fahrerflucht eines Polizisten wird vertuscht, ein Passant sinkt bei einem Polizeieinsatz angeschossen zu Boden.

Mit mafiöser Energie wird die Wahrheit geheim gehalten, nichts dringt hinaus aus dem cliquenhaften Zirkel untreuer Gesetzeshüter. Bis die junge Polizistin Sandra (gespiet von Stefanie Stappenbeck) ihren Dienst antritt. Mit Sandras entsetzten Augen erleben wir die Welt behördlicher Kleinkriminalität aus intimer Nähe, ihre inneren Monologe wollen uns aus dem Herzen sprechen, sie zerreißt schließlich das Gespinst aus Lügen, Tricks und Vorteilsnahme im Amt.

Ein Film, den die Arbeitsgemeinschaft "Kritische Polizisten" sicherlich loben wird. Autor Orkun Ertener und Regisseur Ernst Josef Lauscher lassen zu Beginn einen Text über den Bildschirm flimmern: Nichts ist erfunden, alles geschah wirklich. Aber das betrifft natürlich nur die dürren Fakten. Die Konstruktion des Films speist sich aus einschlägig bekannten Mustern. Eine junge, moralische Heldin. Ihr Gegenspieler ein verführerischer Beau (August Zirner), der am Ende als dämonischer Schuft dasteht. Die Macht des Staates, die im Kern angefressen ist. Bis es der Heldin gelingt, die innere Ordnung wiederherzustellen.

Der Realismus ist nur ein unscharfer Wunsch. Es öffnet sich keine Tür hinaus in eine Landschaft jenseits erprobter Routinen. Aber spannend geht es natürlich zu. Eineinhalb Stunden Lebenszeit sind weg wie nichts.

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