Medien : Kritisch gesehen: Entrinnen unmöglich

Mechthild Zschau

Todesstrafe - Ein Deutscher hinter Gittern. RTL. Das ist kein Film zum Genießen oder erregenden Gruseln, das ist einer, der unter die Haut geht. Und Aufklärung betreibt, indem er präzise argumentiert und Haltung bezieht. Todesstrafe für Mörder - ja oder nein? Bei uns ist das zum Glück kein Thema mehr, in den USA dagegen von frischer Aktualität. Jan Josef Liefers als deutscher Tourist Klaus Jansen, der angeblich seine Frau ermordet hat und in wenigen Tagen in Memphis hingerichtet werden soll, wirkt erst einmal ziemlich unsympathisch: ruppig, arrogant, sogar ein bisschen brutal. Doch, so könnte ein Mörder aussehen.

Seine Gegenspielerin, die Journalistin Corinna Pohl (Claudia Michelsen), geht kalt und unbewegt an ihre Herzschmerzstory ran, benutzt den Mann hinter Gittern gedankenlos als Material. Dann aber verdichtet sich das Gespräch zwischen den beiden, und schon bröckeln die Fassaden sichtlich ab, weichen die Züge auf, zieht Empfindung in sie ein. Die Journalistin beginnt, sich für den Fall zu engagieren, und wandelt sich - glaubhaft - zur radikalen Gegnerin der Todesstrafe: "Wir stellen uns auf eine Stufe mit dem Mörder, wir töten ihn mit Vorsatz. Das ist Mord." Ein knappes verbales Argument, die stärkeren haben die Bilder: Augen voller Angst vor der unbegreiflichen Urerfahrung Tod, dagegen gesetzt das kalte Ritual einer Hinrichtung (leider mit Musik zugeschmiert), die die Rachsucht der Gesellschaft demonstriert. Und kein reitender Bote rettet in letzter Sekunde. Ein schwerer, leiser Film mit knappen Dialogen, machtvollen Bildern und Darstellern, die Emotionen so zwingend zeigen können, dass es kein Entrinnen gibt.

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