Medien : Kritisch gesehen: Feuertaufe

Annika Ulrich

XXP - Der große Abend. Das seriöse Image des Nachrichtenmagazins "Spiegel" ist das Pfund, mit dem der Metropolensender XXP wuchert. Der Neu-Berliner startete am Montagabend mit einem verfilmten "Spiegel"-Gespräch zum Thema "Kriegsende - Die Gegenwart der Vergangenheit", parallel zur gleichnamigen Serie, die ebenfalls am Montag im gedruckten Magazin startete.

Dass "Spiegel"-Chef Stefan Aust die Bekanntheit seiner Gesprächspartner voraussetzte und auf eine weitere Vorstellung verzichtete, zeigt, an wen sich XXP richtet: an eine gebildete Minderheit, die den Hitler-Biographen Joachim Fest und den Publizisten Henryk M. Broder zuzuordnen weiß. Ein aufgezeichnetes Studiogespräch von 105 Minuten Länge, immer wieder unterbrochen von "Spiegel-TV"-Berichten aus den vergangenen 13 Jahren - das ist schwere Kost, allzu frisch schmeckt sie auch nicht. Fast doppeldeutig, was Henryk Broder auf die Frage antwortete, wie lange die NS-Zeit noch in der deutschen Gesellschaft nachwirke: "Länger als ich es für gesund halte."

Auch "Spiegel-TV" startete 1988 am 7. Mai (auf Vox) und thematisierte den Jahrestag der bedingungslosen Kapitulation. Nun startete XXP ebenfalls an diesem historischen Tag. Es wirkte wie ein Déjà-vu: Als erstes war um 20 Uhr 15 das "Spiegel-TV"-Logo zu sehen, dann holte Stefan Aust den Auftaktbericht von 1988 über Kriegsgefangene und Trümmerfrauen aus der Konserve.

Nach einem selbstdarstellenden Gespräch zwischen Stefan Aust und Alexander Kluge über XXP endete der erste Sendetag mit Dokumentationen aus der dctp-Werkstatt. Die Feuertaufe der jungen Berliner Redaktion, die das einzige Live-Magazin des Senders produziert, fand erst am zweiten Sendetag statt.

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