KRITISCH gesehen : Höhepunktfrei

Matthias KalleD
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Foto: RTL

2009! Menschen, Bilder, Emotionen. RTL. Am Ende bedankte sich Günther Jauch beim Publikum, dafür, dass es durchgehalten habe, und man wusste nicht so genau, was er damit eigentlich meint: die zähe Sendung, die drei Stunden lang ohne jeden Höhepunkt auskam – oder doch das Jahr, dieses 2009, das auch im RTL-Jahresrückblick am Sonntagabend nicht besser wurde.

Vielleicht ist es aber auch nur konsequent: Ein schlechtes Jahr kann journalistisch sauber nur durch eine schlechte Sendung abgeschlossen werden. Knapp fünf Millionen Fernsehzuschauer wollten das noch sehen – der „Tatort“ im Ersten und Rosamunde Pilcher im Zweiten holten höhere Quoten. Woran lag es? Nicht an Jauch, der sich bemühte, und der vor allem bei Karl-Theodor zu Guttenberg zeigen konnte, was er zu leisten imstande wäre: Die Art, wie Jauch den Verteidigungsminister fragte, taugt als Bewerbungsvideo für jede politische Fernsehtalkshow. Jauch entwickelte echtes Interesse, leider das einzige Mal während der Sendung, aber was soll der Mann machen – bei diesen Gästen?

Den Anfang machte die Hochspringerin Ariane Friedrich, die aussah wie eine Billigversion von Sarah Connor. Das muss man erst einmal schaffen, aber Friedrich schaffte es auch im Gespräch mit Jauch, keinen einzigen Sympathiepunkt zu machen. Aber für die Sympathiepunkte hatte die Redaktion zum Glück einen kleinen Tiger ins Studio zerren lassen, der mit einem Dackel zusammenlebt. War doch nicht alles schlecht 2009 ...

Vor allem aber kannte man alles schon, jede Person, jede Geschichte, nichts überraschte, es gab einfach nichts Neues (außer vielleicht Jürgens Klinsmann Ankündigung, zurück in die USA zu ziehen, und Paul Biedermanns Beichte, er habe das Seepferdchen nicht bestanden); dafür gab es Erschreckendes: Der Auftritt der sogenannten Komikerin „Cindy aus Marzahn“ geriet zum Fiasko, Jauch beschleunigte das Tempo. Die Frau ist ein RTL-Missverständnis, die musste wohl aus vertraglichen Gründen in die Sendung, ähnlich wie der Formel-1-Fahrer Sebastian Vettel, dessen Schicksal es ist, die nächsten zehn Jahre mit einem Gokart in ein Fernsehstudio zu fahren. 2010 muss einfach besser werden. Matthias Kalle

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